Der Herzog sah den jungen Mann mit Staunen an; Marie errötete von neuem, denn sie mochte sich jene ganze Szene ins Gedächtnis zurückrufen; aber keines von beiden widersprach ihm, sei es, weil sie es für unschicklich hielten, ihn Lügen zu strafen, sei es, weil sie ahneten, er könne sie belauscht haben. Aber Ulrich konnte doch nicht unterlassen, ihn heimlich um die näheren Umstände zu befragen; er teilte sie ihm in wenigen Worten mit.

»Du bist ein sonderbarer Kauz!« flüsterte der Herzog lachend, »was hättest du denn gemacht, wenn Wir damals ein Küßchen erobert hätten?«

»Ich kannte Euch noch nicht,« flüsterte Georg ebenso leise, »drum hätte ich Euch auf der Stelle niedergestochen und an der nächsten Eiche aufgehängt.«

Der Herzog biß sich in die Lippen und sah ihn verwundert an; dann aber drückte er ihm freundlich die Hand und sagte: »Da hättest du alles Recht dazu gehabt, und Wir wären in Unseren Sünden abgefahren. – Doch siehe, da bringen sie wieder Spenden für die Braut.«

Es erschienen jetzt die Diener der Ritter und Edeln, die zur Hochzeit geladen waren, die trugen allerlei seltenes Hausgeräte, Waffen, Stoff zu Kleidern und dergleichen; man wußte zu Stuttgart, daß es der Liebling des Herzogs sei, dem dieses Fest gelte, drum hatte sich auch eine Gesandtschaft der Bürger eingestellt, ehrsame, angesehene Männer in schwarzen Kleidern, kurze Schwerter an der Seite, mit kurzen Haaren und langen Bärten. Der eine trug eine aus Silber getriebene Weinkanne, der andere einen Humpen aus demselben Metall, mit eingesetzten Schaumünzen geschmückt. Sie nahten sich ehrerbietig zuerst dem Herzog, verbeugten sich vor ihm und traten dann zu Georg von Sturmfeder.

Sie verbeugten sich lächelnd auch vor ihm, und der mit dem Humpen hub an:

»Gegrüßet sei das Ehepaar
Und leb' zusamt noch manches Jahr!
Um euch zu fristen langes Leben,
Will Stuttgart euch ein Tränklein geben.
Des Lebens Tränklein ist der Wein,
Komm, guter Geselle, schenk' mir ein.«

Der andere Bürger goß aus der Flasche den Humpen voll und sprach, während der erste trank:

»Von diesem Tränklein steht ein Faß
Vor eurer Wohnung auf der Gaß':
Es ist vom besten, den wir haben,
Er soll Euch Leib und Seele laben;
Er geb' euch Mut, Gesundheit, Kraft:
Das wünscht euch Stuttgarts Bürgerschaft.«