Der Truchseß von Waldburg hob endlich an: »Georg von Sturmfeder, wir haben uns sagen lassen, Ihr seid auf der Hochschule in Tübingen gewesen, ist dem also?«
»Ja, Herr Ritter,« antwortete Georg.
»Seid Ihr in der Gegend von Tübingen genau bekannt?« fuhr jener fort.
Georg errötete bei dieser Frage; er dachte an die Geliebte, die ja nur wenige Stunden von jener Stadt entfernt auf ihrem Lichtenstein war; doch er faßte sich bald und sagte: »Ich kam zwar nicht viel auf die Jagd, auch habe ich sonst die Gegend wenig durchstreift, doch ist sie mir im allgemeinen bekannt.«
»Wir haben beschlossen,« fuhr Truchseß fort, »einen sicheren Mann in jene Gegend zu schicken, auszukundschaften, was der Herzog von Württemberg bei unserm Anzug tun wird. Es soll auch über die Befestigung des Schlosses Tübingen, über die Stimmung des Landvolkes in jener Gegend genaue Nachricht eingezogen werden; ein solcher Mann kann dem Württemberger durch Klugheit und List mehr Abbruch tun als hundert Reiter, und wir haben – Euch dazu ausersehen.«
»Mich?« rief Georg voll Schrecken.
»Euch, Georg von Sturmfeder; zwar gehört Uebung und Erfahrung zu einem solchen Geschäft, aber was Euch daran abgeht, möge Euer Kopf ersetzen.«
Man sah dem Jüngling an, daß er einen heftigen Kampf mit sich kämpfte. Sein Gesicht war bleich, sein Auge starr, seine Lippen fest zusammengeklemmt. Die Warnung Mariens war ihm jetzt auf einmal klar; aber wie fest er auch bei sich beschloß, den Antrag auszuschlagen, wie erwünscht beinahe diese Gelegenheit erschien, um dem Bunde zu entsagen, so kam ihm die Entscheidung doch zu überraschend, er scheute sich, vor den berühmten Männern seinen Entschluß auszusprechen.
Der Truchseß rückte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her, als der junge Mann so lange mit seiner Antwort zögerte: »Nun, wird's bald? Warum besinnet Ihr Euch so lange?« rief er ihm zu.
»Verschonet mich mit diesem Auftrag,« sagte Georg nicht ohne Zagen; »ich kann, ich darf nicht.«