»Was wisset mir, wo er ist!« antwortete sie ausweichend, doch als besinne sie sich eines Besseren, setzte sie hinzu: »Uich kammes jo saga, denn Ihr müesset guet Freund sei mit em Vater. Er ist nach Lichtastoi.«
»Nach Lichtenstein?« rief Georg, indem sich seine Wangen höher färbten. »Und wann kommt er zurück.«
»Ja er sott schau seit zwoi Tag do sei, wie ner gsait hot. Wenn em no nix g'scheha ist. D'Leut saget, dia bündische Reiter bassen em uff.«
Nach Lichtenstein – dorthin zog es ja auch ihn. Er fühlte sich kräftig genug, wieder einen Ritt zu wagen und die Versäumnis der neun Tage einzuholen. Seine nächste und wichtigste Frage war daher nach seinem Roß, und als er hörte, daß es sich ganz wohl befinde und im Kuhstall seiner Ruhe pflege, war auch der letzte Kummer von ihm gewichen. Er dankte seiner holden Pflegerin für seine Wartung und bat sie um sein Wams und seinen Mantel. Sie hatte längst alle Spuren von Blut und Schwerthieben aus den schönen Gewändern vertilgt; mit freundlicher Geschäftigkeit nahm sie die Habe des Junkers aus dem geschnitzten und gemalten Schrein, wo sie neben ihrem Sonntagsschmuck geruht hatte. Lächelnd breitete sie Stück für Stück vor ihm aus und schien sein Lob, daß sie alles so schön gemacht habe, gerne zu hören, dann enteilte sie dem Gemach, um die frohe Botschaft, daß der Junker ganz genesen sei, der Mutter zu verkündigen.
Ob sie der Mutter auch gestanden, daß sie schon seit einer halben Stunde mit dem schönen freundlichen Herrn geplaudert habe, wissen wir nicht. Wir haben aber Ursache, daran zu zweifeln, denn jene ältliche, runde Frau hatte Erfahrung aus ihrer Jugend und glaubte, ihrem Töchterlein die Warnung nie genug wiederholen zu können, sie solle sich wohl hüten, mit einem jungen Burschen länger als ein Ave Maria lang zu sprechen.
16.
– Was kümmert's dich? Du fragst
Nach Dingen, Mädchen, die dir nicht geziemen.
Schiller.