Das Mädchen von Hardt schlug die Augen nieder und spielte mit dem langen Zopfband. »Aber es wird jo scho en era Stund Nacht,« flüsterte sie kaum hörbar.

»Ei, was schadet das? Dann bin ich um den Hahnenschrei in Lichtenstein,« antwortete Georg; »du wolltest dich ja vorhin selbst bei Nacht und Nebel auf den Weg machen.«

»Ja, i wohl,« entgegnete Bärbele, ohne aufzusehen, »aber Euch ist's gewiß et g'sund, wo ner erst krank gwä sent, so in der kühla Nacht en Weg von sechs Stund z'macha.«

»Das kann ich nicht beachten,« rief Georg, »und die Wunde ist ja geheilt, ich bin gesund wie zuvor: nein! rüste dich immer, gutes Kind, wir brechen sogleich auf, ich gehe, mein Pferd zu satteln.« Er nahm den Zaum von einem Nagel an der Wand, wo er aufgehängt war, und schritt zur Türe.

»Herr! Euer Gnaden!« rief ihm das Mädchen ängstlich nach; »lasset's lieber geh. Gucket, 's tuet se et, daß mer so selbander in der Nacht fortganget. D'Leut in Hardt send so gar wunderlich, und mer tät mer gewiß ebbes abhänga, wenne – Wartet lieber bis morga früh, so wille Uich meinetwega führa bis Pfullinga.«

Der Junker ehrte die Gründe des guten Mädchens und hing schweigend den Zaum wieder an die Wand. Es möchte ihm freilich lieber gewesen sein, wenn die Leute von Hardt weniger geneigt wären, Böses zu denken; doch es war hier nichts zu tun, als sich schweigend in sein Schicksal zu ergeben. Er beschloß daher, diesen Abend und die folgende Nacht noch auf den Pfeifer zu warten; käme er nicht, so wollte er mit dem frühesten Morgen zu Pferd sein und unter Leitung seiner schönen Tochter nach Lichtenstein aufbrechen.


17.

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.