Der Ratsherr hatte zu dieser Nachricht listig gelächelt und einen guten Zug von seiner besseren Sorte getrunken; der Hagere ließ aber den Lederrücken nicht aussprechen, er schlug den Takt mit den langen Fingern etwas vernehmlicher und sagte mit hohler Stimme: »Das ist erstunken und erlogen, Freund! seht, das ist gar nicht möglich, denn der Berlichingen versteht die schwarze Kunst und ist fest, das muß ich wissen, und überdies hat er allein mit seiner eisernen Hand in mancher Schlacht zweihundert Mann maustot geschlagen, was wird er sich denn fangen lassen?«
»Mit Verlaub,« unterbrach ihn der fette Herr, »dem ist nicht also, sondern Götz ist in der Tat gefangen und sitzt in Heilbronn. Aber nicht, weil er erlegen ist, denn sein Schloß in Möckmühl ist nicht erstürmt worden, sondern die Bündischen haben ihm und den Seinigen freien Abzug versprochen; wie er aber aus dem Tor kam, wurde er überfallen, seine Knechte getötet und er gefangen. Seht, das ist nicht recht, und da hat der Bund schändlich gehandelt.«
»Da muß ich doch bitten, Herr!« sprach der Lange, »daß man nicht also von den Bundesobersten spricht; ich kenne viele Herren davon genau, wie zum Beispiel Herr Truchseß von Waldburg mein geneigter Herr und Freund ist.«
Der fette Herr schien etwas erwidern zu wollen, spülte aber das, was ihm auf der Zunge lag, mit einigem Wein hinunter. Jedoch die Bürger brachen bei Erwähnung so vornehmer Bekanntschaften in ein Gemurmel des Staunens aus und lüfteten ehrerbietig ihre Mützen.
»Nun, wenn Ihr bei dem Bunde so gut bekannt seid,« sagte der Zerlumpte mit etwas trotziger Miene, »so werdet Ihr uns die beste Nachricht geben können, wie es um Tübingen aussieht.«
»Es pfeift auf dem letzten Loche,« antwortete der Gefragte; »ich war vor kurzer Zeit dort und sah die fürtrefflichen und schrecklichen Anstalten zur Belagerung.«
»Ei, – So, – Wie,« flüsterten die Bürger und rückten näher zusammen, als erwarteten sie wichtige Kunde.
Der hagere Mann lehnte sich an die Lehne seines Stuhles zurück, steckte die langen Finger in die Degenkuppel, streckte die Beine um einige Zoll länger aus und sprach: »Ja, ja, ihr Leute, dort sieht es arg aus; alle Ortschaften in der Nachbarschaft sind in großem Schaden, denn die Obstbäume sind alle abgehauen, man schießt mit aller Macht auf Stadt und Schloß, und die Stadt hat sich schon ergeben; im Schloß liegen vierzig Ritter, aber sie können die paar Mäuerlein nicht mehr lange halten!«
»Was? Ein paar Mäuerlein?« rief der fette Herr und setzte seine Kanne klirrend auf den Tisch. »Wer je das Schloß von Tübingen gesehen hat, kann nicht von ein paar Mäuerlein reden. Hat es nicht auf den Seiten, wo es an den Berg stößt, zwei tiefe Graben, daß die Bündler mit keiner Leiter hinauf können, und Mauern zwölf Schuh dick, und Türme, aus welchen sie ihre Feldschlangen nicht übel spielen lassen?«