»Nun, ich hab' ihm Heppacher gegeben von 1480. Es ist das Beste, was der goldene Hirsch hat.«

»Da haben wir es!« rief der kluge Mann. »Ich kenn' den Heppacher Achtziger, den kann solch ein Junkerlein nicht führen, und der ist ihm zu Kopf gestiegen. Laßt ihn sitzen, laßt ihn immer sitzen, seinen schweren Kopf in der Hand, ich wette, ehe es acht Uhr schlägt, hat er ausgeschlafen und ist wieder so frisch wie der Fisch im Wasser.«

Der Zerlumpte schüttelte den Kopf und sagte nichts dazu, die Wirtin aber belobte den gewohnten Scharfsinn des fetten Herrn und fand seine Vermutung am wahrscheinlichsten.

Es war neun Uhr in der Nacht, die täglichen Zechgäste hatten schon alle die Trinkstube verlassen, und auch die Wirtin wollte sich zum Abendsegen rüsten, als der fremde Herr aus seinem Zustand erwachte. Er sprang auf, machte einige Gänge durchs Zimmer und blieb endlich vor der Hausfrau stehen. Er sah düster und verstört aus, und die wenigen Stunden vom Mittag bis jetzt hatten seinen sonst so freundlichen, offenen Zügen tiefe Spuren des Grams eingedrückt.

Die Wirtin dauerte sein Anblick, sie wollte ihm, eingedenk des klugen fetten Herrn, noch ein heilsames Süpplein kochen und ihm dann ein treffliches, weiches Bett anweisen, doch er schien für diese Nacht ein rauheres Lager sich erwählt zu haben.

»Wann sagt Ihr,« hub er mit leiser, unsicherer Stimme an, »wann geht der nächtliche Gast nach Lichtenstein, und wann kommt er zurück?«

»Um elf Uhr, lieber Herr, geht er hinein, und um den ersten Hahnenschrei kommt er wieder über die Zugbrücke.«

»Lasset mein Pferd satteln und besorgt mir einen Knecht, der mich nach Lichtenstein geleite.«

»Jetzt in der Nacht?« rief die Wirtin und schlug vor Verwunderung die Hände zusammen. »Jetzt wollet Ihr ausreiten? Ei geht doch. Ihr treibt Spaß mit mir!«

»Nein, gute Frau, es ist mein wahrer Ernst; aber sputet Euch ein wenig, ich habe Eile.«