Der Ritter warf einen düsteren Blick dorthin und sprang ab. Er band das Pferd an einen Baum und setzte sich auf einen bemoosten Stein, gegenüber von der Burg. Der Knecht stand erwartend, was sich weiter begeben werde, und fragte mehreremal vergeblich, ob er seines Dienstes jetzt entlassen sei?
»Wie weit ist's noch bis zum ersten Hahnenschrei?« fragte endlich der stumme Mann auf dem Steine.
»Zwei Stunden, Herr!« war die Antwort des Knechtes.
Der Ritter reichte ihm reichlichen Lohn für sein Geleite und winkte ihm, zu gehen. Er zögerte, als scheue er sich, den jungen Mann in diesem unglücklichen Zustand zu verlassen, als aber jener ungeduldig seinen Wink wiederholte, entfernte er sich stille. Nur einmal noch sah er sich um, ehe er in den Wald eintrat. Der schweigende Gast saß noch immer, die Stirne in die Hand gestützt, im Schatten einer Eiche, auf dem bemoosten Stein.
19.
Durch diese hohle Gasse muß er kommen;
Es führt kein andrer Weg nach Küßnacht. – Hier
Vollend' ich's – die Gelegenheit ist günstig.
Schiller.
Man hat zu allen Zeiten viel Schönes und Wahres über die Torheit der Eifersucht geschrieben, und dennoch sind die Menschen seit Urias' Zeiten darin nicht weiser geworden. Leute von überaus kühler Konstitution werden zwar sagen, wenn jener berühmte jüdische Hauptmann nicht die Torheit begangen hätte, seine schöne Frau nur für sich allein haben zu wollen oder gar auf den König David eifersüchtig zu werden, so wäre der berüchtigte Uriasbrief nie geschrieben worden und besagter Hauptmann hätte es vielleicht noch weit im Dienste bringen können. Andere aber, denen die Natur heißes Blut und einen Stolz, ein Gefühl der Ehre gegeben hat, das durch Hintansetzung oder Treubruch leicht aufgeregt und beleidigt wird, werden beim eintretenden Falle jenem unglücklichen Uebel unterliegen, wenn sie auch mit allen Beweisgründen der kälteren Vernunft sich selbst die Torheit ihres Beginnens vorpredigen.