»Ich wollte Sie mit Herrn von Stobelberg, der Ihre Familie kennt, besuchen. Da ließ sich dieser fromme Mann, der gehört hat, daß Sie übertreten wollen, nicht abhalten, uns zu begleiten.«
»Große Ehre für mich, geben Sie sich aber weiter keine Mühe, denn –«
»Höret, höret, wie er den Herrn lästert, in dessen Namen ich komme,« schrie der Pietist. »Der Antichrist krümmet sich in ihm wie ein Wurm, und der Teufel sitzt ihm auf der Zunge. O, warum habt Ihr Euch blenden lassen von Weltehre? Was sagt derselbe Sirach? ›Laß dich nicht bewegen von dem Gottlosen in seinen großen Ehren; denn du weißt nicht, wie es ein Ende nehmen wird. – Wisse, daß du unter den Stricken wandelst, und gehest auf eitel hohen Spitzen!‹«
»Sie kennen meine Familie, Herr von Stobelberg? Sind Sie vielleicht selbst ein Landsmann aus Mecklenburg?«
»Nein, aber ich kam viel in Berührung mit Ihrer Familie und bin mit einigen Gliedern derselben sehr nahe liiert. So zum Beispiel mit Ihrem Onkel F., mit Ihrer Tante W., mit Ihrem Schwager Z.«
»Wie? Der Satan hat ihm die Ohren zugeleimt?« rief der fromme Protestant, als sein abtrünniger Bruder ihn völlig ignorierte. »Auf, Ihr Brüder, Ihr Streiter des Herrn, lasset uns ein geistliches Lied singen, vielleicht hilft es.« Er drückte die Augen zu und fing an, mit näselnder, zitternder Stimme zu singen:
»Herr, schütz' uns vor dem Antichrist
Und laß uns doch nicht fallen;
Es streckt der Papst mit Hinterlist
Nach uns die langen Krallen;
Und laß dich erbitten,
Vor den Jesuiten
Und den argen Missionaren.
Wollest gnädig uns bewahren.
Sie sind des Teufels Knechte all,
Nur wir sind fromme Seelen;
Wir kommen in des Himmels Stall,
Uns kann es gar nicht fehlen;
Denn nach kurzem Schlafe
Ziehn wir frommen Schafe
In den Pferch, für uns bereitet,
Wo der Hirt die Schäflein weidet.
Dort scheidet er die Böcke aus –«