»Ha! meine Kinder!« weinte die Spanierin. »O, weinet nur, ihr armen Kleinen, der, der euch Vater sein sollte, hat Erz in seiner Brust. Ich gehe, ich werfe sie in die Tiber, und mich mit ihnen; so ende ich ein Leben, das du, Verfluchter, vergiftetest!«
Sie rief es und wollte nach der Tiber eilen, doch das Fräulein faßte ihr Gewand; bleich zum Tod, mit halbgeschlossenen Augen führte sie Donna Ines zu dem Kapitän und stürzte dann aus der Laube. Ich selbst war einige Augenblicke im Zweifel, ob sie nicht denselben Entschluß ausführen wollte, den die Donna für sich gefaßt; doch der Weg, den sie einschlug, führte tiefer in den Garten, und sie wollte wohl nur diesem Jammer entgehen. Der Berliner aber lief ihr ängstlich nach, und als sich auch der Kapitän losriß, ihr zu folgen, stürzte die ganze Gesellschaft, der Kardinal, ich und Signora Campoco, in den Garten.
Wir kamen zu ihnen, als eben Luise erschöpft und ohnmächtig zusammensank. S. fing sie in seinen Armen auf und trug die teure Last nach einer Bank. Dort wollte ihn der Kapitän verdrängen, er wollte vielleicht seinen Entschluß zeigen, nur ihr anzugehören; er glaubte heiligere Rechte an sie zu haben und entfernte den Arm des jungen Mannes, um den seinigen unterzuschieben.
Doch dieser, ergriffen von Liebe und Schmerz, aufgeregt von der Szene, die wir gesehen, stieß den Kapitän zurück. »Fort mit dir!« rief er, »gehe zu den Pfaffen und Ehebrechern, zu Schurken deines Gelichters. Du hast deine Rolle künstlich gespielt; um diese Blume zu pflücken, mußtest du dich den Armen jenes hergelaufenen Weibes noch einmal entreißen. Hinweg mit dir, du Ehrloser!«
»Was sprechen Sie da?« schrie der Kapitän schäumend; es mochte in der Rede des jungen Mannes etwas liegen, was als Wahrheit um so beißender war. »Welche Absichten legen Sie mir unter? Was hätte ich getan. Erklären Sie sich deutlicher!«
»Jetzt hast du Worte, Schurke, aber als dieser Engel zu dir flehte, da hatte deinen Mund die Schande verschlossen. Rühre sie nicht an, oder ich schlage dich nieder!«
»Das kann dir geschehen,« entgegnete jener, und einem Blitze gleich fuhr er mit etwas Glänzendem aus der Tasche nach der Brust des jungen Mannes. – In Spanien lernt man gut stoßen. Der Berliner hatte einen Messerstich in der Brust und sank, ohne das Haupt der Geliebten zu lassen, in die Knie.
Jetzt wird der tapfere Hauptmann gewiß katholisch! war mein Gedanke, als das Herzblut des jungen Mannes hervorströmte; jetzt wird er sich bergen im Schoße der Kirche! Und es schien so zu kommen. Denn willenlos ließ sich der Kapitän von Ines und dem Kardinal wegführen, und die Barke stieß vom Lande.