»Und Herr von Natas?« fragte ich kleinlaut.

»Ist noch hier. Ach, das ist ein goldener Herr. Wenn der nicht gewesen wäre, wir wären heute nacht in die größte Verlegenheit gekommen.«

»Wieso?«

»Nun, bei der Fatalität mit der Frau von Trübenau. Wer hätte aber auch dem gnädigen Herrn zugetraut, daß er so gut zur Ader zu lassen verstünde?«

»Zur Ader lassen? Herr von Natas?«

»Ich sehe, der Herr Doktor sind sehr frühzeitig zu Bette gegangen und haben eine ruhigere Nacht gehabt als wir.«

Jean belehrte mich in leichtfertigem Ton: »Es mochte kaum elf Uhr gewesen sein, die Geschichte mit der Polizei war schon vorbei –«

»Was für eine Geschichte mit der Polizei?«

»Nun, Nr. 15 ist vornheraus, und weil, mit Permiß zu sagen, dort ein ganz höllischer Lärm war, so kam die Runde ins Haus und wollte abbieten, Herr von Natas aber, der ein guter Bekannter des Herrn Polizeileutnants sein muß, beruhigte sie, daß sie wieder weiter gingen. Also gleich nachher kam das Kammermädchen der Frau von Trübenau herabgestürzt, ihre gnädige Frau wolle sterben. Sie können sich denken, wie unangenehm so etwas in einem Gasthof nachts zwischen elf und zwölf Uhr ist. Wir wie der Wind hinauf, auf der Treppe begegnet uns Herr von Natas, fragt, was das Rennen und Laufen zu bedeuten habe, hört kaum, wo es fehlt, so springt er in sein Zimmer, holt sein Etui, und ehe fünf Minuten vergehen, hat er der gnädigen Frau am Arm mit der Lanzette eine Ader geöffnet, daß das Blut in einem Bogen aufsprang. Sie schlug die Augen wieder auf, und es war ihr bald wohl, doch versprach Herr von Natas, bei ihr zu wachen.«

»Ei! was Sie sagen, Jean!« rief ich voll Verwunderung.