Ich war nicht wenig begierig, wie sich der ewige Jude bei einem Dichter produzieren würde, und beschloß, ihn zu begleiten. »Höre, Alter,« sagte ich zu ihm, »wir sind von jeher auf gutem Fuß miteinander gestanden, und ich hoffe nicht, daß du deine Gesinnungen gegen mich ändern wirst. Sonst –«

»Zu drohen ist gerade nicht nötig, Herr Satan,« antwortete er, »denn du weißt, ich mache mir wenig aus dir und kenne deine Schliche hinlänglich, aber deswegen bist du mir doch als alter Bekannter ganz angenehm und recht. – Warum fragst du denn?«

»Nun, du könntest mir die Gefälligkeit erweisen, mich zu dem Dichter, der dich in einer Novelle abkonterfeite, mitzunehmen. Willst du nicht?«

»Ich sehe zwar nicht ein, was für Interesse du dabei haben kannst,« antwortete der Alte und sah mich mißtrauisch an. »Du könntest irgend einen Spuk im Sinne haben und dir vielleicht gar mit bösen Absichten auf des braven Mannes Seele schmeicheln. Dies schlage dir übrigens nur aus dem Sinn, denn der schreibt so fromme Novellen, daß der Teufel selbst ihm nichts anhaben kann. – Doch meinetwegen kannst du mitgehen.«

»Das denke ich auch. Was diese Seele betrifft, so kümmere ich mich wenig um Dichter und dergleichen, das ist leichte Ware, welcher der Teufel wenig nachfragt. Es ist bei mir nur Interesse an dem Manne selbst, was mich zu ihm zieht. Uebrigens, in diesem Kostüm kannst du hier in Berlin keine Visiten machen, Alter!«

Der ewige Jude beschaute mit Wohlgefallen sein abgeschabtes braunes Röcklein mit großen Perlmutterknöpfen, seine lange Weste mit breiten Schößen, seine kurzen, zeisiggrünen Beinkleider, die auf den Knieen ins Bräunliche spielten. Er setzte das schwarzrote dreieckige Hütchen aufs Ohr, nahm den langen Wanderstab kräftiger in die Hand, stellte sich vor mich hin und fragte: »Bin ich nicht angekleidet stattlich wie König Salomo und zierlich wie der Sohn Isais? Was hast du nur an mir auszusetzen? Freilich trage ich keinen falschen Bart wie du, keine Brille sitzt mir auf der Nase, meine Haare stehen nicht in die Höhe à la Wahnsinn. Ich habe meinen Leib in keinen wattierten Rock gepreßt, und um meine Beine schlottern keine ellenweiten Beinkleider; wozu freilich Herr Bocksfuß Ursache haben mag.«

»Solche Anzüglichkeiten gehören nicht hierher,« antwortete ich dem alten Juden. »Wisse, man muß heutzutage nach der Mode gekleidet sein, wenn man sein Glück machen will, und selbst der Teufel macht davon keine Ausnahme. Aber höre meinen Vorschlag. Ich versehe dich mit einem anständigen Anzug, und du stellst dafür meinen Hofmeister vor. Auf diese Art können wir leicht Zutritt in Häusern bekommen, und wie wollte ich dir's vergelten, wenn uns dein Dichter in einen ästhetischen Tee einführte.«

»Aesthetischer Tee, was ist denn das? In China habe ich manches Maß Tee geschluckt, Blumentee, Kaisertee, Mandarinentee, sogar Kamillentee, aber ästhetischer Tee war nie dabei.«

»O sancta simplicitas! Jude, wie weit bist du zurück in der Kultur! Weißt du denn nicht, daß dies Gesellschaften sind, wo man über Teeblätter und einige schöne Ideen genugsam warmes Wasser gießt und den Leuten damit aufwartet? Zucker und Rum tut jeder nach Belieben dazu, und man amüsiert sich dort trefflich.«