Ida ward recht nachdenklich, als sie aus Ladensteins Mund hörte, daß es denn doch fehlen könne, und sagte: »Ach, vor meinem Vater ist mir nicht so bange, der gibt am Ende schon nach, wenn ich ihn recht schön bitte, aber der Onkel –«

»Nun, was für ein Onkel ist denn das?« fragte Ladenstein aufmerksam und neugierig.

»Emils Onkel, wissen Sie denn nichts von dem? Ach Gott! Das soll ein gar böser alter Herr sein« (Ladensteins Gesicht zog sich immer mehr in die Länge bei diesen Nachrichten), »das hat mir Hofrat Berner, der den jungen Grafen und seine Verhältnisse kennt, gesagt; von ihm hängt Emil ab, denn er soll ihn so lieb haben wie seinen Vater, und der alte Herr soll auch sehr viel an dem Neffen tun –« (es zuckte wie tiefe Rührung in Ladensteins Gesicht), »wenn nun dieser die Sache erfährt,« setzte sie traurig hinzu, »wenn er dem Grafen eine Schönere, eine Bessere ausgesucht hätte, wenn er Nein sagt.«

»O, er sagt nicht Nein, er kann keine Bessere finden,« unterbrach sie der alte Herr voll wunderbarer Rührung.

»Eine Treuere wenigstens nicht, keine, die ihn mehr ehren würde; ach, wenn man nur den erweichen könnte; sehen Sie, Ladenstein,« sagte sie unter Tränen lächelnd, »ich habe mir eine kleine List ausgedacht, es ist zwar eine Kriegslist, aber doch wohl eine erlaubte, und Sie habe ich dazu ausersehen, daß Sie mir dabei helfen. Sie kennen die Szene aus der Kirche, die ich Ihnen gestern zeigte, die habe ich nun ganz eigentlich für den alten Martiniz entworfen. Sehen Sie, wenn er etwa zweifelt, daß ich seinem Neffen so recht von Herzen gut bin, so – das tun Sie mir schon zu Gefallen, und Sie kennen den alten Herrn gewiß – so zeigen Sie ihm die Gruppe da, sagen Sie ihm, ich sei es gewesen, die seinen Emil von dem schrecklichen Wahn befreite; wollen Sie?«

Der alte Herr nickte ihr stumm seine Einwilligung zu, die hellen Tränen rollten ihm durch die gefurchten Wangen, er war so tief gerührt, daß er nicht sprechen konnte; er faßte ihre Hand und zog sie an seine Lippen. Endlich faßte er sich doch wieder, er wischte die Tränen hinweg, er war freundlich wie zuvor und fand auch die Sprache wieder.

»Ich will es ihm geben, dem alten Gesellen,« sagte er lächelnd, »ich kenne ihn so gut wie mich selbst, und darf sagen, daß ich sein innigster – bester Freund bin; haben Sie keine Sorgen, Töchterchen, der Alte schlägt mit Freuden ein, aber das Bild da soll er haben, und wie ich ihn kenne, wird er es hoch anschlagen, es wird sein bestes Kabinettstück sein.«


Fortsetzung der Freier.