»Still, still, ist schon gut,« unterbrach ihn der alte Herr, indem er ihm die Hand auf den Mund legte, »bedenke dein Versprechen. Ich habe hier nur den Geschäftsträger gemacht, danke deinem Onkel, wenn er einmal da ist!« – »Ach, wo ist er denn, der gute Onkel,« rief Ida, »daß ich ihm danken kann für seine unendliche Güte?«
»Wird auch kommen zu seiner Zeit,« antwortete Ladenstein, indem ihm eine Träne der Rührung im Auge blinkte, »er wird schon kommen und eine Freude an seinem holden Töchterchen haben, einstweilen soll ich Idchen in seinem Namen küssen.« Er gab ihr einen recht väterlichen Kuß auf die schöne Stirne.
Der Präsident hatte indessen die Papiere durchgesehen. Je länger er las, desto größer und staunender wurden seine Augen. Ehrfurchtsvoll faltete er die Papiere zusammen und sagte: »Nein, das ist zu arg, das ist zu viel; bedenket, Kinderchen, nicht nur das herrliche Groß-Lanzau mit dem schönen neuen Schloß, ganz durch und durch elegant ausmöbliert, mit Stallung und Pferden, mit Scheunen und Knechten, mit Wäldern und Feldern, weiß Gott! seine zweimalhunderttausend Taler unter Brüdern wert, nein, bedenkt auch noch –«
»Still, alter Herr!« unterbrach ihn Ladenstein. »Macht kein solches Wesen von dem Zeug. Ihr wißt, der alte Martiniz kann es geben und gibt es gern. Da ist auch noch etwas in den Papieren für das liebe Bräutchen, nämlich ein kleines Schlößchen, hart am Fluß, ein Stündchen von hier. Man hat mir gesagt, daß Idchen immer gerne an jenem Plätzchen gewesen sei, und deswegen hat es der Herr Onkel seiner lieben Nichte erb- und eigentümlich zum Brautgeschenk übermacht.«
Voll freudigen Schreckens schlug das Mädchen die Hände zusammen. »Doch nicht mein liebes Blauenstein?« rief sie.
»Ebendasselbe,« antwortete Ladenstein und überreichte ihr die Schenkungsakte.
Sie konnte es nicht fassen, sie tanzte mit dem großen Brief im Zimmer umher wie närrisch und rief immer: »Mein Blauenstein, mein liebes, herziges Blauenstein!« daß die drei unwillkürlich über die possierliche Freude des Mädchens lachen mußten.
Es ist aber auch wahr, man kann nichts Schöneres sehen als dieses Blauenstein. Ein allerliebstes Schlößchen mit fünf bis sechs elegant eingerichteten Zimmern und einem Salon, auf drei Seiten von einem schönen Wald umgeben, und die vierte Seite, die Fassade des Schlößchens, gegen den schönen Fluß geöffnet, und eine paradiesische Aussicht hinüber in Täler und Berge – und dieses lauschige, liebliche Plätzchen ihr ganz eigen, ihr, dem fröhlichen Bräutchen, und dort zu wohnen als Frauchen mit ihrem Emil – gewiß, ein solcher Gedanke hätte manche andere tanzen gemacht!
Und jetzt hatte der Präsident auch nicht das geringste mehr einzuwenden, und die Hochzeit wurde vor den Ohren des errötenden Mädchens auf die nächste Woche festgesetzt. Heute abend aber wollte Papa Präsident große Gesellschaft geben und dort das junge Paar als Braut und Bräutigam präsentieren.