Allgemeiner Jubel empfing die holde Reisende, alles war darin einverstanden, daß ihr diese Tracht noch besser stehe als der Brautstaat; kein Wunder, es war ja das Pilgerkleid, in welchem sie ins gelobte Land der Ehe reiste.

»Warum bist du nur so über und über rot?« fragte Emil sein holdes Weibchen, indem er sie näher an seine Seite zog. »Hat dir jemand was getan?«

Sie wollte lange nicht heraus. »Die Babette,« flüsterte sie endlich und errötete von neuem, »die Babette hat so dumm gefragt.«

»Nun, was denn?« fragte der neugierige Herr Gemahl. Aber da stockte es wieder; zehnmal setzte sie an; sie wollte gerne eine Lüge erfinden, aber das schickte sich denn doch nicht am Hochzeitstag, und doch – es ging nicht; er mußte bitten, flehen, drohen, betteln sogar; endlich, nachdem er hatte versprechen müssen, die Augen recht fest zuzumachen, flüsterte sie ihm ins Ohr. »Sie hat mein Nachtzeug eingepackt, und da hat sie gefragt, ob sie das deinige auch dazu packen soll.« Selig schloß der Graf sein Engelsweibchen in die Arme, er wollte antworten, aber seine Antwort verhallte im Geräusch der aufbrechenden Gäste.

Die Wagen waren vorgefahren, man verabschiedete sich. Der Graf nahm sein Idchen um den Leib und trug sie schnell hinab in den Wagen, denn dort beschloß er ihr zu antworten.

Auf dem Balkon drängten sich die Gäste, die Champagnergläser in den Händen; sie riefen, vermischt mit den neuen Untertanen des Grafen, ein tausendstimmiges Vivat in den Wagen hinab. Ida drückte ihr Köpfchen an die Brust des Geliebten. Er winkte, die Pferde zogen an, und dahin fuhr Emil und seine glückliche Ida.


Nachschrift.

Es ist ein schöner Brauch unter guten Menschen, die sich lieben und getrennt sind, daß sie gewisse Tage des Jahres festsetzen, in welchen sie sich von nahen und entfernten Orten her sammeln, sich wiedersehen und die Strahlen ihrer Liebe von neuem an der allgemeinen Flamme anzünden. So halte ich es seit langen Jahren mit meinen Freunden, die das Schicksal nach Ost und West verschlagen. Auch heuer war ich hingereist an den Ort, den wir zu unserem Rendezvous bestimmt hatten. Als ich an dem stattlichen weißen Hirsch in B. vorfuhr, lagen schon manche Fenster voll, und wie wohl tut da das freundliche, jubelnde »Er ist's, er ist's,« das von schönen Lippen herab dem Freunde entgegentönt!

Ich traf sie alle, alle meine Lieben, da war meine holde, sinnige Doralice und ihr Stern, da war die lose, naive Vally und ihr geheimer Kriegsrat, da war Graf Law und seine Klementine, da war meine süße Mimili, da war Herr von Estavayer mit seiner Elsi, da war mein russisches Lisli; selbst Sponseri, mein lieber Sponseri, ich hieß ihn nur immer den Grünmantel, hatte sich aus Venedig eingefunden und Emmeline Mellinger mitgebracht; da war auch Fanny und ihr Graf, der Generalbevollmächtigte, Kilian mit Julchen. Da war Molly und ihr Justizrat, da war die herzige Pina und ihr Gatte, Agnes und Rose, Rosamunde und der Graf Oliva, das liebe Dijon-Röschen, Klothilde und ihr Sekretär. – Meine Freude war unaussprechlich, ich flog wie ein Ball von einem Arm in den andern, und das Küssen wollte gar kein Ende nehmen. Endlich faßte man sich, daß es doch zu einem vernünftigen Gespräch kam. Freilich trübte der Tod unserer Magdalis und ihres treuen Willibald, die uns im Leben so nahe standen und auch nach ihrem Tode so innig verschwistert mit uns fortleben, die ersten Augenblicke des Wiedersehens; aber nachdem wir ihnen das Totenopfer inniger Tränen geweiht, kehrte die holde Freude wieder bei uns ein.