»Aber ich erinnere mich nicht, ihn gesehen zu haben,« sagte der Kalif.

»Ei, warum auch! da müßte ich alle Tage einen ganzen Pack solches Gesindel zu Euch schicken, die Euch sprechen wollen.«

»Du weißt, daß mein Ohr für jeden offen ist,« antwortete Harun, »aber wahrscheinlich waren die Beweise über den Diebstahl so klar, daß es nicht nötig war, den jungen Menschen vor mein Angesicht zu bringen. Du hattest wohl Zeugen, daß das Geld, das dir gestohlen wurde, dein gehörte, Kalum?«

»Zeugen?« fragte dieser erbleichend. »Nein, Zeugen hatte ich nicht, und Ihr wisset ja, Beherrscher der Gläubigen, daß ein Goldstück aussieht wie das andere. Woher konnte ich denn Zeugen nehmen, daß diese hundert Stücke in meiner Kasse fehlen?«

»An was erkanntest du denn, daß jene Summe gerade dir gehöre?« fragte der Kalif.

»An dem Beutel, in welchem sie war,« erwiderte Kalum.

»Hast du den Beutel hier?« forschte jener weiter.

»Hier ist er,« sprach der Kaufmann, zog einen Beutel hervor und reichte ihn dem Großvezier, damit er ihn dem Kalifen gebe.

Doch dieser rief mit verstelltem Erstaunen: »Beim Bart des Propheten! der Beutel soll dein sein, du Hund? Mein gehörte dieser Beutel, und ich gab ihn, mit hundert Goldstücken gefüllt, einem braven jungen Mann, der mich aus einer großen Gefahr befreite.«

»Kannst du darauf schwören?« fragte der Kalif.