Der Polizeirichter erbleichte. Er rollte seine Augen hin und her, und endlich sprach er: »Wenn ich mich noch recht erinnern kann – ja.«

»Du weißt es also nicht gewiß?« fuhr der Kalif mit schrecklicher Stimme fort; »so wollen wir ihn selbst fragen. Tritt hervor, Said, und du, Kalum-Bek, zahlst vor allem tausend Goldstücke, weil er jetzt hier zur Stelle ist.«

Kalum und der Polizeirichter glaubten, ein Gespenst zu sehen; sie stürzten nieder und riefen: »Gnade! Gnade!« Benezar, vor Freuden halb ohnmächtig, eilte in die Arme seines verlorenen Sohnes. Aber mit eiserner Strenge fragte jetzt der Kalif: »Polizeirichter, hier steht Said, hat er gestanden?«

»Nein, nein!« heulte der Polizeirichter, »ich habe nur Kalums Zeugnis gehört, weil er ein angesehener Mann ist.«

»Habe ich dich darum als Richter über alle bestellt, daß du nur den Vornehmen hörest?« rief Harun Al-Raschid mit edlem Zorn. »Auf zehn Jahre verbanne ich dich auf eine wüste Insel, mitten im Meere, da kannst du über Gerechtigkeit nachdenken, und du, elender Mensch, der du Sterbende erweckst, nicht um sie zu retten, sondern um sie zu deinen Sklaven zu machen, du zahlst, wie schon gesagt, tausend Tomans, weil du sie versprochen, wenn Said käme, um für dich zu zeugen.«

Kalum freute sich, so wohlfeil aus dem bösen Handel zu kommen, und wollte eben dem gütigen Kalifen danken. Doch dieser fuhr fort: »Für den falschen Eid wegen der hundert Goldstücke bekommst du hundert Hiebe auf die Fußsohlen. Ferner hat Said zu wählen, ob er dein ganzes Gewölbe und dich als Lastträger nehmen will, oder ob er mit zehn Goldstücken für jeden Tag, welchen er dir diente, zufrieden ist?«

»Lasset den Elenden laufen, Kalif!« rief der Jüngling, »ich will nichts, das sein gehörte.«

»Nein,« antwortete Harun, »ich will, daß du entschädigt werdest. Ich wähle statt deiner die zehn Goldstücke für den Tag, und du magst berechnen, wie viele Tage du in seinen Klauen warst. Jetzt fort mit diesen Elenden.«

Sie wurden abgeführt, und der Kalif führte Benezar und Said in einen andern Saal, dort erzählte er ihm selbst seine wunderbare Rettung durch Said und wurde nur zuweilen durch das Geheul Kalum-Beks unterbrochen, dem man soeben im Hof seine hundert vollwichtigen Goldstücke auf die Fußsohlen zählte.

Der Kalif lud Benezar ein, mit Said bei ihm in Bagdad zu leben. Er sagte es zu und reiste nur noch einmal nach Hause, um sein großes Vermögen abzuholen. Said aber lebte in dem Palast, den ihm der dankbare Kalif erbaut hatte, wie ein Fürst. Der Bruder des Kalifen und der Sohn des Großveziers waren seine Gesellschafter, und es war in Bagdad zum Sprichwort geworden: »Ich möchte so gut und so glücklich sein als Said, der Sohn Benezars.«