»Aber wie ist dies möglich!« rief die Frau Bürgermeisterin, »hat er mir nicht oft seine Gedichte vorgelesen? Hat er nicht, wie ein anderer Mensch, bei mir zu Mittag gespeist?«
»Was?« eiferte die Frau Doktorin. »Wie? Hat er nicht oft und viel den Kaffee bei mir getrunken und mit meinem Manne gelehrt gesprochen und geraucht?«
»Wie! ist es möglich!« riefen die Männer. »Hat er nicht mit uns am Felsenkeller Kegel geschoben und über Politik gestritten wie unsereiner?«
»Und wie?« klagten sie alle. »Hat er nicht sogar vorgetanzt auf unseren Bällen? Ein Affe! ein Affe! Es ist ein Wunder, es ist Zauberei!«
»Ja, es ist Zauberei und teuflischer Spuk,« sagte der Bürgermeister, indem er das Halstuch des Neffen oder Affen herbeibrachte. »Seht! In diesem Tuch steckt der ganze Zauber, der ihn in unsern Augen liebenswürdig machte. Da ist ein breiter Streifen elastischen Pergaments, mit allerlei wunderlichen Zeichen beschrieben. Ich glaube gar, es ist Lateinisch; kann es niemand lesen?«
Der Oberpfarrer, ein gelehrter Mann, der oft an den Affen eine Partie Schach verloren hatte, trat hinzu, betrachtete das Pergament und sprach: »Mit nichten! Es sind nur lateinische Buchstaben, es heißt:
DER . AFFE . SEHR . POSSIERLICH . IST .
ZUMAL . WENN . ER . VOM . APFEL . FRISST.
Ja, ja, es ist höllischer Betrug, eine Art von Zauberei,« fuhr er fort, »und es muß exemplarisch bestraft werden.«
Der Bürgermeister war derselben Meinung und machte sich sogleich auf den Weg zu dem Fremden, der ein Zauberer sein mußte, und sechs Stadtsoldaten trugen den Affen, denn der Fremde sollte sogleich ins Verhör genommen werden.