Der Wirt aber nahm den Gulden, besah ihn links, besah ihn rechts und sagte lächelnd: »Ja, wenn es kein Hirschgulden wär', aber gestern nacht kam der Bote von Stuttgart, und heute früh hat man es ausgetrommelt im Namen des Grafen von Württemberg, dem jetzt das Städtlein eigen; die sind abgeschätzt, und gebt mir nur anderes Geld.«

Da sahen sich die beiden Brüder erbleichend an. »Zahl' aus,« sagte der eine; »hast du keine Münze?« sagte der andere, und kurz, sie mußten den Gulden schuldig bleiben im Lamm in Balingen. Sie zogen schweigend und nachdenkend ihren Weg; als sie aber an den Kreuzweg kamen, wo es rechts nach Zollern, und links nach Schalksburg ging, da sagte der Schalk: »Wie nun? Jetzt haben wir sogar weniger geerbt als gar nichts, und der Wein war überdies schlecht.«

»Jawohl,« erwiderte sein Bruder. »Aber was die Feldheimerin sagte, ist doch eingetroffen: Seht zu, wieviel von seinem Erbe übrig bleiben wird um einen Hirschgulden! Jetzt haben wir nicht einmal ein Maß Wein dafür kaufen können.«

»Weiß schon!« antwortete der von der Schalksburg.

»Dummes Zeug!« sagte der Zollern und ritt, zerfallen mit sich und der Welt, seinem Schloß zu.

Das ist die Sage von dem Hirschgulden, endete der Zirkelschmied, und wahr soll sie sein. Der Wirt in Dürrwangen, das nicht weit von den drei Schlössern liegt, hat sie meinem guten Freund erzählt, der oft als Wegweiser über die schwäbische Alb ging und immer in Dürrwangen einkehrte.


Die Gäste gaben dem Zirkelschmied Beifall. »Was man doch nicht alles hört in der Welt,« rief der Fuhrmann. »Wahrhaftig, jetzt erst freut es mich, daß wir die Zeit nicht mit Kartenspielen verderbten, so ist es wahrlich besser, und gemerkt habe ich mir die Geschichte, daß ich sie morgen meinen Kameraden erzählen kann, ohne ein Wort zu fehlen.«

»Mir fiel da, während Ihr so erzähltet, etwas ein,« sagte der Student.