Heine ergriff denn auch mit Freuden eine günstige Gelegenheit, die sich ihm bot, in Begleitung des, schon durch seine früheren archäologischen Forschungen in Nord- und Mittel-Amerika berühmten Herrn Squier, auch früherem Gesandten der Vereinigten Staaten in Mittel-Amerika, das letztere Land zu bereisen, um zu Mr. Squier's beabsichtigtem Werke über diese Strecken die Illustrationen zu liefern.
Ueber diese Reise, die Heine aber leider allein beenden mußte, da Mr. Squier durch Verhältnisse gehindert wurde, ihm zu folgen, handelt, mit Ausnahme eines kurzen Künstlerausflugs im Staat New-York, dies kleine Bändchen, und der Leser folgt dem jungen lebensfrohen Manne vielleicht noch mit mehr Aufmerksamkeit und Interesse, wenn er erfährt, daß Wilhelm Heine auch selbst in diesem regen Leben nicht den Drang befriedigt fühlte, der ihn weiter und weiter trieb auf der einmal betretenen Bahn, denn er befindet sich in diesem Augenblicke an Bord des amerikanischen Geschwaders, das zu einer Recognoscirungstour des indischen Archipels, vorzüglich aber der japanischen Küsten ausgesandt ist, und wohl nicht wiederkehren wird, ohne ein tüchtiges Stück von der Welt gesehen, ja vielleicht auch ein Stück in der Welt gethan zu haben.
Von dort werden seine Berichte für jetzt in der Allgemeinen Zeitung und dem Ausland erscheinen, seine Stellung an Bord eines der Kriegsschiffe, mit ehrenvollen Aufträgen der amerikanischen Regierung für unterwegs anzustellende Sammlungen, sichert ihm dabei die Gewißheit, den größtmöglichsten Nutzen von solch wilder Fahrt zu ziehen, und wir dürfen hoffen, daß er uns noch manches Schöne von fernen Ländern erzählen wird. Der Einzelne wird doch ja immer nur, möge seine Route liegen so weit sie will, auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis beschränkt, und dem Leser bleibt es überlassen, sich von den verschiedenen Ansichten und Bildern der draußen Herumstreifenden den Honig zu sammeln und seine Meinung festzustellen.
Heine's Styl ist leicht und ungezwungen, seine Schilderung lebendig und das Herzliche und Gemüthliche seines ganzen Wesens läßt uns ihn bald liebgewinnen, und so hoffe ich denn, daß Dir, lieber Leser, diese Gabe eine willkommene sein wird, wie es mir selber eine besondere Freude gewährt hat, den jungen, noch gewissermaßen vom Seewasser triefenden Künstler bei Dir einzuführen.
Friedrich Gerstäcker.
Inhaltsverzeichniß.
| Künstlerausflug durch den Staat New-York | [1] |
| Ein Jahr in Central-Amerika | [41] |
| I. | |
| Vorwort. – Zweck der Reise. – Allgemeine Bemerkungenüber Central-Amerika. – Canalprojectzur Verbindung des atlantischen und stillenOceans. | [43] |
| II. | |
| Abreise von New-York. – Die Brig Rogelin. –Ansicht von Haiti. – Eintritt in die Wendekreise.– Unbewohnte Insel. – Mosquitoküste.– San Juan di Nicaragua. – Deutsches Gasthaus.– Lebensweise. | [56] |
| III. | |
| Vorbereitungen zur Flußfahrt. – Das Bungo. –Abreise von San Juan. – San-Juan-River.– Clima. – Fruchtbarkeit. – Die Machuca-Rapids.– Verunglückte Tigerjagd. – Unwetter.– Aerztliche Hülfe. – Castillo Viejo. –Prophezeihung. – Der Wundarzt wider Willen.– San Carlos. – Douane. – See vonGranada. – Ankunft in Granada. – Gastfreundlichkeit.– Jahresfeier des 4. Juli. | [66] |
| IV. | |
| Die Stadt Granada. – Bauart. – Einwohner. –Lebensweise in Central-Amerika. – Festtage. –Reisezurüstungen. – Unsicherheit der Straßen.– Art zu reisen. – Fleiß der Indianer. –Massaga. – Indisches Begräbniß. | [94] |
| V. | |
| Lavafelder. – Managua. – Reisebekanntschaft. –Landschaftliches. – Puebla nuova. – Ein Raubmord.– Nächtliche Störung. – Ankunft inLeon. | [109] |
| VI. | |
| Freundliche Aufnahme in Leon. – General Munoz.– Ein demüthiger Apostel Christi. – Rückkehrnach Granada. | [120] |
| VII. | |
| Indigobereitung. – Verfall des Landbaues. –Schlimme Aussichten für Ansiedler. – GefährlicheGalanterie. – Zunahme der ärztlichenPraxis. – Einfluß des Mondes. – Selbsthülfezu rechter Zeit. – Die Schwefelquellen vonTipitapa. – Gefährliche Begegnung. – Kriegsanstalten.– Militairische Exercitien. | [126] |
| VIII. | |
| Der geendigte Krieg in Nicaragua. – Aufregungin Granada. – Unangenehme Conflicte. –Meeting in Massaga. – Hauptquartier in Managua.– Don Fruto Chamorro. – Gefechtvon Nagarote. – Erkrankung. – Gefecht vonChinandega. – Mißverhältniß der Streitkräfte.– Vertrag von Posolteja. – Treubruch desGenerals Lopez. – Ehrenhaftes Benehmen desamerikanischen Gesandten. – Traurige Aussichten. | [143] |
| IX. | |
| Neue Erkrankung. – Excursion in das Hochgebirgeund die Minendistricte. – Reiseanstalten. –Aufbruch von Leon. – Nachtlager. – Räubergerüchte.– Nächtlicher Ueberfall. – Eintrittins Gebirge. – Trockenheit. – Zuckererbauung.– Aztekische Sage. – Beschwerlicher Marsch.– Heimathliche Erinnerung. | [166] |
| X. | |
| Aufenthalt in San Rafael. – Viehzucht. – Versuchmit dem Lasso. – Weiterreise. – NächtlichesConcert. – Totogalpa. – Der gastfreundlicheCura. – Eine Hochzeit. – Ocotal. –General Guardiola. – Hahnenkämpfe. – Spielwuthder Bewohner. | [185] |
| XI. | |
| Dipilto. – Mangelhafter Zustand des Bergbaues. –Wiederkehrende Gesundheit. – Taminos Feuer-und Wasserprobe zu Pferd. – Erlegter Tiger.– Der Staat Honduras. | [200] |
| XII. | |
| Yuscaran. – Don Pedro Xatrerha. – Indianerstämme.– Gefahren eines Besuches bei ihnen.– Gewaltsame Requisition. – Tegucigalpa. –Sennora L... – General Cabannas. | [217] |
| XIII. | |
| Süßer Abschied. – Cerro di Ule. – PrachtvollesPanorama. – Heimweh. – Portillo de laVictoria. – Künstlerische Ausbeute. – IndianischeFiesta. – Große Hitze. – Ein tropischesGewitter. – Ankunft zu rechter Zeit. – Fatamorgana. – San Martin. – Choluteca. –Esteroreal. – Noch etwas über das Canalproject.– Ankunft in Leon. | [232] |
| XIV. | |
| Glücklicher Zufall. – Abschied von Leon. – EinJahr Unterschied. – Stars and Stripes! –Verändertes Aussehen von St. Juan di Nicaragua.– Abschied von Central-Amerika. – AllgemeineBemerkungen und Warnungen für Auswanderer. | [254] |