»Einen Humpen! Einen Humpen Wein!«

Die Anna strahlte. Ihr Blick hing an dem seinen, so tief, so innig, so eins.

Das Fremdartige, was ihr an dem starken und schönen Italiener so sehr gefallen hatte, das wurde jetzt ganz in Schatten gestellt von der Kraft und Schönheit der eigenen Stammesart.

Heiß entbrannt war ihr Herz. Doppelt heiß in dieser Stunde, da er sie aus ihrer Bedrängnis befreien, aus der Gefahr, in die sie sich begeben, erlösen wollte. Sie war sein! Sie fühlte: der konnte sie fordern, er würde es tun. Ihr Blick gab ihm alle Rechte auf sie.

Sie zitterte. Nicht aus Angst — in glücklicher Erregtheit. Den Italiener fürchtete sie jetzt nicht mehr. Der war ihr gleichgültig.

Sie vertraute voll auf den Jean. Wie es werden sollte, was werden sollte, wußte sie ja nicht, konnte sie nicht ausdenken. Am liebsten wäre sie ihm in die Arme gestürzt, hätte ihn geküßt, nur geküßt, geküßt!

Aber sie tat nichts. Sie wartete auf ihn. Er würde alles schon machen, dieser starke, stolze, umjubelte Mann.

Der Italiener knirschte. Er sprach erregt mit seinen Kameraden. Er hatte erkannt, daß hier einer um sein Mädchen warb — daß er ihm den Rang ablaufen würde. Ja, daß er schon gewonnen hatte.

Die Italiener tranken rasch leer.

»Auf!« zischte er, »amante mia; Anna!« flötete er nach. — Sie gehorchte.