Der Pfarrer war aus der Sakristei getreten. Er stand oben vor dem Marienaltar, deren Kerzen der Glöckner löschte. Er hatte die Rechte zur Faust geballt und stützte sie auf die Kommunionbank auf. Mit flammenden Augen sah er zur Orgel hinauf. Und er knirschte.
Krafft schloß die Orgel und zog die Schlüssel ab. Er blickte sich um. Er sah, daß die Leute jetzt erst ihre Plätze verließen. Es ging ihm auf — sein Spiel hatte sie festgehalten. Er hatte alles vor allen gesagt, was sein Herz bewegt hatte. Und alle hatten's verstanden.
Er wurde tief rot. Er strich sich verlegen durchs Haar. Er schämte sich. Ihm war, als habe er sich der Menge preisgegeben.
Er war erlegen, er war schwach gewesen.
Er mußte sich stützen — er griff nach dem Orgelbock. Er griff fehl.
»Herr Lehrer!« klang eine Männerstimme neben ihm.
Einer seiner Sänger hatte ihn beobachtet und war auf ihn zugetreten, ihn zu stützen. Der Krafft beherrschte sich wieder: »Ich danke!« sagte er.
Dann ging er. Er ging ruhig und sicher, wie er gekommen war. Die Kirche hatte sich geleert. Alle Kerzen waren gelöscht. Die Kirche lag im Dämmer. Nur durch ein offenes Fenster floß ein Sonnenstrahl. Andreas Krafft stand an der Tür. Er wollte sie aufziehen. Da mußte er sich noch einmal umsehen. Voll fiel das Sonnenlicht in sein Gesicht. Er senkte es ein wenig. Da sah er oben den Pfarrer stehen.
Sie standen einander gegenüber, die Gegner, der leere Raum nur zwischen ihnen.
Wenn sie hätten Freunde werden können, wenn es gekommen wäre, daß sie Freunde geworden wären?!