Vorkommen. In Gräben und Teichen, weniger in Flüssen. Im Main habe ich sie nie beobachtet[10]. In fast allen Bächen, zumal in den Mühlteichen (Thomae). In der Weil bei Weilburg (Sandb.). In der Aubach bei Dillenburg, selten (Koch). Sehr schön in den Wiesengräben bei Frankfurt und auch sonst in der Mainebene. Bei Erfelden im sog. Ried. Die Zwergform bei Breidenbach, Kr. Biedenkopf. Die stark aufgetriebene Form (Taf. VIII. Fig. 2) in Wiesengräben bei Sachsenhausen (Dickin). Eine Varietät, die an Succinea putris erinnert, sammelte Ickrath in Menge bei Mönchbruch.
89. Limnaea vulgaris Rossmässler.
Gemeine Schlammschnecke.
Taf. VIII. Fig. 3.
Gehäuse kaum bemerkbar geritzt, eiförmig, ziemlich bauchig, dünn, feingestreift, hornfarbig, durchscheinend, glatt; der letzte der 4–5 Umgänge setzt sich den übrigen nicht so deutlich als Bauch entgegen, wie bei auricularia und ovata; Gewinde spitz und schlank, wie bei auricularia, aber weit höher ausgezogen, 3–5‴ hoch, nicht so plump, wie bei ovata; Naht sehr tief eingeschnitten, was dem Gehäuse fast das Ansehen einer Scalaride gibt. Mündung eiförmig, oben abgestutzt, sonst regelmässig und nur an der Spindelseite ein wenig durch die Spindelfalte ausgebogen, nicht ganz ¾ der ganzen Höhe ausmachend. Mundsaum geradeaus, einfach; an seinem oberen Ansatz, der immer weit tiefer unter der Naht liegt, als bei auricularia, bildet er anfangs einen rechten Winkel mit der Spindelsäule, wendet sich aber dann, wie bei auricularia, rasch in einem fast rechten Winkel nach unten; bei alten Exemplaren legt er sich eher nach innen, als nach aussen um.
Thier gelblichgrau mit kleinen gelblichweissen Puncten besät.
L. vulgaris ist wahrscheinlich die Form unter den Limnäen, über die am meisten Unklarheit herrscht; gewöhnlich dient sie als Rumpelkammer, in der man alle Formen unterbringt, die man zu keiner der beiden anderen bringen kann. L. vulgaris C. Pfeiffer ist, wie schon Rossmässler nachgewiesen, nur eine junge auricularia und desshalb ganz aus der Reihe der Arten zu streichen. Dagegen ist vulgaris, wie ihn Rossmässler unter Fig. 53 der Iconographie beschreibt, entschieden eine gute und scharf characterisirte Art; die Höhe des Gewindes und die Richtung des Mundsaumes unterscheiden ihn leicht von auricularia, das schlanke Gewinde von dem plumperen ovata. Leider ist Fig. 53 nicht von Rossmässler selbst lithographirt und lässt alle möglichen Deutungen zu; auch in der Diagnose vermisse ich die Betonung der tief eingeschnittenen Naht, die unsre Form alsbald auffallen lässt. Wirklich habe ich mich auch nachträglich an den Originalexemplaren der Rossmässlerschen Sammlung von der Richtigkeit meiner Ansicht überzeugen können.
Demnach glaube ich diese Form entschieden als die von Rossmässler gemeinte Schnecke ansehen zu müssen, auch der schlanken Spitze und der Glätte des Gehäuses wegen, das nur selten mit Schlamm überzogen ist und fast nie die gitterartigen Eindrücke zeigt, die bei auricularia fast Regel sind. Auch diese Art ist variabel, wie alle Limnäen und es finden sich Uebergänge nach allen Richtungen hin, sowohl nach auricularia und ovata als auch ganz besonders nach peregra hin. Hier ist es in der That nicht möglich eine Gränze zu ziehen, und die auf Taf. VIII. Fig. 4 und 5 abgebildete Form kann ich nicht anders bezeichnen, als wie sie auch in der Rossmässlerschen Sammlung bezeichnet war, als peregro-vulgaris. Aber soll man desshalb alle die vier Arten zu einer zusammenwerfen, in der man dann doch die vier Haupttypen nebst ihren Varietätenreihen unterscheiden muss? Ich denke, nein! denn dann muss überhaupt aller Artunterschied aufhören.
Was das Vorkommen unserer Art anbelangt, so kenne ich sie mit Sicherheit nur aus der Salzbach bei Wiesbaden und aus mehreren Gräben der Mainebene um Frankfurt, besonders characteristisch und schön aus einem Graben in der Nähe des Offenbacher Bahnhofs (Dickin). Im oberen Lahnthal kommt sie nicht vor. Was von den als vulgaris angeführten Formen hierher und was zu auricularia und ovata gehört, kann ich natürlich nicht entscheiden; ich glaube aber kaum, dass die ächte vulgaris sehr verbreitet ist.
90. Limnaea peregra Draparnaud.
Wandernde Schlammschnecke.
Taf. IV. Fig. 12.