Ueber die Leistungen der Vereine giebt für die sechs Jahre 1892–1897 folgende Tabelle eine Uebersicht.

GewerkvereineJahrReise- und WanderunterstützungUebersiedelungsbeihülfeArbeitslosenunterstützungBeiträge arbeitsloser MitgliederUnterstützung in besonderen NotfällenGesamtsumme der Unterstützungen in Mark
Zahl der unterstützten MitgliederBetrag in MarkZahl der unterstützten MitgliederBetrag in MarkZahl der unterstützten MitgliederBetrag in MarkZahl der unterstützten MitgliederBetrag in MarkZahl der unterstützten MitgliederBetrag in Mark1892–941895–97
Maschinenbau- u. Metallarbeiter1892/94629624371 651149591894 6545343927340 382 4765116888113544
1895/97675127558 954221211412 5391430744142 449 5809
Fabrik- u. Handarbeiter1892/94 67 859 689 10659 247 3818 15336 23195
1895/97 210 2650 799 13559 458 6986
Tischler u. verwandte Berufe1892/94 183 3421 605 12483 4 7 183 3545 19456 30798
1895/97 469 2493 115 35181053 20696 479 920 175 3171
Schuhmacher u. Lederarbeiter1892/94 394 2459 119 1592 215 4825 202 554 73 1123 10553 20273
1895/97 403 2761 145 2260 569 12334 6451378 96 1540
Kaufleute1892/94 215 14498 165 921 26 745 16164 29146
1895/97 424 26039 3541643 39 1464
Schneider u. verwandte Berufe1892/94 273 1167 20 333 57 1054 9 41 81 1960 4555 7606
1895/97 257 1403 37 605 150 3557 20 94 86 1947
Textilarbeiter u. verwandte Berufe1892/94 60 554 42 405 73 1233 16 58 199 2059 4369 6909
1895/97 58 297 61 852 186 3594 2 3 208 2223
Klempner u. Metallarbeiter1892/94 257 1069 22 523 68 1260 274 596 96 1433 4881 8970
1895/97 383 2132 60 1721 115 3632 204 445 94 2240
Graphische Berufe, Maler u. verwandte Berufe1892/94 64 1292 9 72 8 198 51 202 35 451 1215 2670
1895/97 75 457 10 137 122 1633 19 45 31 398
Bauhandwerker1892/94 6 58 5 68 1 10 28 377 513 1290
1895/97 9 81 12 172 17 504 44 533
Zigarren- u. Tabakarbeiter1892/94 39 205 23 315 45 1264 20 57 39 527 2308 2292
1895/97 45 258 24 264 844 27 55 67 871
Töpfer u. Ziegler1892/94 17 54 17 221 25 189 12 205 669 1292
1895/97 61 222 20 189 25 499 1 8 24 374
Konditoren u. verw. Berufe1892/94 49 249 16 177 21 290 5 70 786 713
1895/97 27 142 2 64 22 430 1 1 5 76
Bildhauer u. verw. Berufe1892/94 17 80 4 79 31 461 1 20 649 948
1895/97 33 186 2 32 40 703 2 27
Schiffszimmerer u. verw. Berufe1892/94 4 27 4 10 2 30 67 143
1895/97 3 21 1 34 5 8 6 80
Berg- u. Grubenarbeiter1892/94 4 108 25 352 490 132
1895/97 6 8 12 124
Selbständige Ortsvereine1892/94 195
1895/97 4 166 6 29
Insgesamt1892/94747631594117823084391411398551379786143421480198929250176
1895/97858338011165234585493814113848358750180227692

3. Die sozialistischen Gewerkschaften[71].
A. Der v. Schweitzer'sche Gewerkschaftsbund.

Der von v. Schweitzer auf dem 26. September 1868 berufene und unter seinem Vorsitze tagende Kongreß war von 206 Abgeordneten aus allen Teilen Deutschlands besucht, die 142008 Arbeiter aus 110 Orten vertraten. Nach der gewaltsamen Entfernung der Hirsch'schen Anhänger gelang es v. Schweitzer ohne Mühe, in den viertägigen Verhandlungen, seine vorher bis in alle Einzelheiten ausgearbeiteten Pläne zur Annahme zu bringen. Jede Gewerkschaft sollte durch ganz Deutschland eine geschlossene Einheit bilden. Aus den Vorständen der einzelnen Gewerkschaften wurde eine Zentralleitung unter dem Namen „Deutscher Gewerkschaftsbund“ gebildet, dessen Sitz in Berlin war und dessen Präsidium aus v. Schweitzer, Fritzsche und einer dritten unbekannten Person bestand. v. Schweitzer beabsichtigte die Einteilung der Gewerkschaften, die auf dem Grundsatze der Branchenorganisation beruhten, in 32 Berufsgruppen, die sogenannten „Arbeiterschaften“, die etwa den späteren „Industrieverbänden“ entsprechen. Von solchen Arbeiterschaften wurden auf dem Kongresse sofort 10 gebildet, nämlich: die Berg- und Hüttenarbeiter, die Metallarbeiter, die Färber, die Weber und Manufakturarbeiter, die Schuhmacher, die Bäcker, die Buchbinder, die Schneider, die Holzarbeiter und die Maurer.

Aber diesem günstigen Anfange entsprach nicht der weitere Verlauf, und insbesondere v. Schweitzer selbst grub schon nach einem Jahr seinem soeben geschaffenen Werke das Grab, indem die erste Delegiertenversammlung des „deutschen Gewerkschaftsbundes“, die Ende 1869 in Anschluß an die in Kassel abgehaltene Generalversammlung des von Lassalle gegründeten „Allgemeinen deutschen Arbeitervereins“ tagte, auf Antrag v. Schweitzer's die Auflösung aller bestehenden Gewerkschaften und den Uebertritt ihrer sämtlichen Mitglieder in einen gleichzeitig ins Leben zu rufenden „Allgemeinen deutschen Arbeiterunterstützungsverband“ mit dem Sitze in Berlin beschloß. Dieser Verband sollte mit dem „Allgemeinen deutschen Arbeitervereine“ in engster Verbindung bleiben, indem nicht allein zwischen den Präsidenten eine Personalunion bestehen sollte, sondern auch die Mitgliedschaft des Unterstützungsverbandes von der Anerkennung der Grundsätze des Arbeitervereins abhängig gemacht war.

Welche Gründe v. Schweitzer hierzu bestimmt haben, ist schwer zu beurteilen. Möglicherweise fürchtete er aus der nahe liegenden Konkurrenz beider Organisationen eine Zersplitterung und war von der alleinseligmachenden Kraft der politischen Sozialdemokratie so überzeugt, daß er sie nicht durch eine selbständige Gewerkschaftsbewegung lahm legen wollte, vielleicht aber war es auch ein aus seiner eigenartigen Natur zu erklärender blasierter Ueberdruß an dem selbstgeschaffenen Unternehmen, der ihn ja auch bald bestimmte, von seiner ganzen politischen Thätigkeit zurückzutreten. Jedenfalls war durch die Gründung des Unterstützungsverbandes, in dem alle Arbeiter ohne Rücksicht auf die Berufsgliederung und die durch diese bedingten besonderen Beziehungen und Interessen Aufnahme fanden, das allein lebenskräftige Prinzip der gewerkschaftlichen Organisation verlassen.

Dem entsprach auch der äußere Verlauf der Entwicklung. Während, wie erwähnt am 26. September 1869 in Berlin 142000 Arbeiter vertreten gewesen waren, während in Kassel immerhin noch 35232 Mitglieder gezählt wurden, war diese Zahl bereits auf der im folgenden Jahre 1870 in Berlin abgehaltenen Generalversammlung auf 20657 und bei einer am 25. Mai 1871 vorgenommenen Zählung auf 4257 herabgegangen. Als man in den folgenden Jahren seitens der Polizei energisch gegen alle sozialdemokratischen Vereinigungen vorging, benutzte Hasenclever, der Nachfolger v. Schweitzer's im Arbeitervereine und im Unterstützungsverbande, dies als Vorwand, um den nicht mehr lebensfähigen Verband durch einen Erlaß vom 8. September 1874 formell aufzulösen. Allerdings hatten sich nicht alle Gewerkschaften dem in Kassel gefaßten Beschlusse gefügt, und es bestanden deshalb einige derselben auch noch ferner weiter, aber zu irgend welcher Bedeutung vermochten sie nicht zu gelangen.