»Man kann doch die Wohnung erst einmal ansehen.«

Der Prinz nickte: »Ja, gewiß.« Und so ging man hinein.

Herr Lutz hatte wieder verspielt. Bis zum heutigen Tage war ihm dieser Doktor der gleichgültigste Mensch gewesen: ein Schulmeister, wie ihn die Prinzen nötig haben, ein Herr, der am Hofe nicht die geringste Bedeutung hat, dessen Einfluß, mit dem eines Kammerdieners verglichen, gleich Null ist, und nun das! So was! Der Dicke erlaubte sich, ihn, Lutz, wie einen Lakaien zu behandeln! That und benahm sich, als ob er der Prinz selbst wäre!

Er knirschte in die Zähne: »Dem – geb’ ich’s!«

Die Steinfliesen im Hausflur waren offenbar frisch gescheuert und mit weißem Sand bestreut, an allen Ecken der Treppen standen hellbrennende Lampen, große und kleine, und das schwere Eichengeländer der Treppe war so völlig mit Tannenguirlanden umwunden, daß es seinen eigentlichen Zweck, bei dem engen Aufgang als Halt zu dienen, völlig verfehlte. Oben hörte man ein Tuscheln, ein Rascheln von Weiberröcken, ein lautes: »Er kommt!« – dann Thürenschlagen, – dann feierliche Stille.

Und als der Prinz mit seinem kleinen Gefolge, dem sich in einiger Entfernung die Lehrlinge und das dicke Dienstmädchen anschlossen, die oberste Treppenstufe erreicht hatte, sah er sich drei steif knicksenden Matronen und einem gleichfalls tief knicksenden jungen Mädchen gegenüber.

Er hatte seine Ruhe wiedergefunden. O dergleichen feierliche Empfänge kannte er, – er war wieder der Prinz, vor dem sich alles neigt.

Das Mädchen, einen Fliederstrauß in der Hand, trat einen Schritt vor und knickste noch einmal. Dann blickte sie ihn mit ihren großen braunen Augen ohne jede Scheu an und sagte mit heller, freier Stimme:

»Dem Prinzen, der aus fernem Land