»Und nun, wenn Eure Durchlaucht die hohe Ehre haben wollten – ich bin nämlich die Frau Dörffel – und wollten sich die Zimmer ansehen?«

Er nickte. Er wollte etwas sagen, auch zu dem Mädchen, aber die Worte kamen ihm nicht auf die Lippen.

Mit dem großen Fliederstrauß in der Hand ging er höflich hinter der alten Frau her, die ihm triumphierend erst die Salons zeigte: »Da hat im vorigen Semester der Herr Graf von Bredow gewohnt,« – dann sein Schlafzimmer, dann zwei nette kleine Zimmer: »für den Herrn Doktor«, endlich eine ziemlich dürftige Hinterstube, in der Herr Lutz wohnen sollte: »Und das ist das Zimmer für den Bedienten.«

Herr Lutz, der zwei Schritte hinter dem Prinzen neben dem Fourier ging, wurde blaß wie ein Tischtuch. »Bedienten!« Das Wort klang wie ein Peitschenhieb.

Auch Karl Heinrich empfand den ungewollten Falschton des Wortes.

»Sie meinen für meinen Kammerdiener?«

»Ja, für den da.«

Die gute Frau ließ ihn noch nicht los. Immer voranleuchtend, zeigte sie ihm jeden Raum, den man in einer neuen Wohnung kennen muß, und immer ging der Prinz mit seinem Fliederstrauß gehorsam hinterdrein, nur ein einziges Mal unwillkürlich lächelnd.

Bis man endlich in dem Salon wieder landete.

Ein kleiner Sofatisch aus Mahagoniholz war sauber gedeckt mit Tellern, Bierflaschen, zwei offenen Weinkaraffen, Brot, Butter und kaltem Aufschnitt. In der Mitte stand ein Topfkuchen, der von Epheublättern am unteren Rande umgeben und in seiner Höhlung mit drei Rosen ausgefüllt war.