Er blickte auf seine goldene Uhr: »Anderthalb Stunden!«
Und als er zehn Minuten später die Toilette seines Herrn vollendete, machte es Herrn Lutz einen diabolischen Spaß, zu beobachten, wie Seine Durchlaucht sich Mühe gab, unbefangen zu erscheinen.
»Wie ist das Wetter, Lutz?«
»Gut, Eure Durchlaucht.«
»Heute ist doch Mittwoch?«
»Jawohl, Eure Durchlaucht.«
Lauter überflüssige Fragen, wie sie jemand stellt, der sich einer gewissen Schuld bewußt ist.
Und wenn irgend jemand Seine Durchlaucht durchschaute, dann war es Herr Lutz. O, er kannte diese hohen Herrschaften, die nie recht den Mut ihrer dummen Streiche haben und sogar ihrem Kammerdiener gegenüber alles vertuschen möchten. Kleine, schwächliche Seelen ohne Energie.
Erbprinzen sind keine Fürsten, ihre Bedeutung nach außen ist in manchen Fällen gleich null. Tausendmal ereignete sich der Fall, daß Erbprinzen nie zur Regierung gelangten. Mit Erbprinzen rechnen, heißt nicht viel mehr als Lotterie spielen.
›Nein,‹ sagte sich Herr Lutz, ›dieses Heidelberg paßt mir nicht. Ich kehre zurück nach Karlburg. Wer, wie ich, seines Hochfürstlichen Herrn Vertrauen genießt, braucht hier nicht Bedienter zu spielen. Seine Hochfürstliche Durchlaucht ist sechsundfünfzig Jahre alt, Seine Hochfürstliche Durchlaucht kann mit Bequemlichkeit achtzig werden. Bis dahin dürfte man sein Schäfchen im Trocknen haben und auf alle Erbprinzen pfeifen.‹