„Ich weiß ja schon, Just,“ ruft die Alte, die harte treue Hand im Kreise herumreichend. „Alles, wie es sich schickt. Vorliebnehmen ist auch was, was der liebe Gott gern hat.“

Da ist nun die alte gute Bauernstube des Steinhofes zum zweiten Mal. Wieder voll Augustfliegen und mit all dem übrigen Zubehör, — auch den Hühnern.

„Alles immer noch so wie sonst,“ grinst der Vetter. „Tretet mir nur die Küken nicht tot. Aber ein Skandal ist es eigentlich und schickt sich gar nicht, Fräulein Eva. Wenn ich mir die Mastviehzucht — ich will mal sagen, die Schweine — aus dem Salon entfernt halte, so komme ich damit an die Grenzen des Menschenmöglichen, Fräulein Irene. Das Gedicht von Goethe, Grenzen der Menschheit, ist da ganz auf meinen Fall und meine Umstände gemacht.“

„Weil wir alle wissen, daß wir hier jederzeit so, wie wir erschaffen wurden, willkommen sind, deshalb sind wir alle Augenblicke bei Ihnen, Vetter,“ lacht die Komtesse. „O, kümmern Sie sich Evas und meinetwegen gar nicht um die Grenzen der Menschheit. Lassen Sie dreist alles herein, was von Rechts wegen zum Steinhofe gehört.“

„Und dies ist wieder Schinken!“ stottert der Vetter blöde glückselig. „Und zu empfehlen, Fräulein. Sehen Sie, ein Barbar bin ich auch gegen diese lieben Borstentiere nicht. Ein jeder muß doch nach seinem Nutzen in der Welt taxiert werden, — auch das Porcus! Nicht wahr, Ewald? nicht wahr, Fritz? Jule, mehr Milch für die Damen!“

Wir tun ihm den Gefallen und lachen über seinen Witz herzlich; nur Ewald bemerkt dazu:

„Drehe mal den Schlüssel dort im Schrank und rücke mit einem Nordhäuser auf den Schrecken heraus!“

Wir sind diesmal mehr unter uns. Die Leute sind draußen im Felde oder sonst in Adams Berufe tätig. Die alte Jule geht ab und zu.

Wenn der Vetter eben noch behauptete, bereits gefrühstückt zu haben, so könnte ihm ein magenkranker Millionär dreist zwei Drittel von seiner Million für den Appetit bieten, mit dem er in unserer liebenswürdigen Gesellschaft frisch von neuem ans Werk geht. Sein Hang in das Geistige hinein und sein Sehnen nach den weniger materiellen Interessen der Menschheit haben ihm da gottlob bis jetzt noch keinen Abbruch getan.

Wir holen ihn natürlich mehr oder weniger harmlos aus über seine gegenwärtigen Studien. Vierschrötig sitzt er heute vor mir da, mit beiden Ellenbogen auf dem Tische das mecklenburgische Wappen zur Darstellung bringend, und — verschämt wie irgend eine Jungfer im durchlauchtigsten deutschen Bunde. Und doch ziert er sich nicht. In seinem Kauen, Schlingen und Schlucken gibt er ganz naiv und auch etwas geschmeichelt Nachricht von sich. Eva findet ihn im geheimen rührend, Irene von Everstein rührend-komisch, Herr Ewald Sixtus „einfach zum Wälzen!“ und ich — ich finde, daß sie alle recht haben in ihren Meinungen von ihm; denn ich bin leider am festesten davon überzeugt, ihn längst herausgefunden zu haben, und zwar als einer von den ersten. Gütiger Himmel!