„O Mademoiselle!… o Mademoiselle Martin, welches ungemein erfreuliche —“

„Monsieur?!“

Es lag eine Welt von Fragen in dem einen Wort; und ich war imstande zu stottern:

„O, ich bitte — Doktor Langreuter ist mein Name.“

Da ging es gottlob wie ein Lächeln über das sorgenvolle Altfrauengesichtchen der ci-devant soeur ignorantine.

„Je, Fritz?! Monsieur Frédéric Langreuter! Ei, der Herr Doktor Langreuter! Aber, en vérité, das nenne ich freilich ein recht erfreuliches Zusammentreffen. Haben Sie mich wiedererkannt, Fritz — Herr Doktor? O dieses unvermutete Wiederfinden freut mich ebenfalls sehr.“

„Und Sie kennen mich auch noch, Mademoiselle? Und gestern mittag — o Mademoiselle, welche Wunder können doch noch in dieser Welt geschehen!… Gestern der Vetter Just und nun Sie, Fräulein Martin! Und Sie haben sich so wenig verändert, daß auch das ein neues Wunder ist, Mademoiselle.“

„Geben Sie mir Ihren Arm, monsieur. Durch ein paar Straßen müssen wir sans condition miteinander gehen. Schmeicheln will ich Ihnen nicht: Sie haben sich sehr verändert, Mr. Langreuter, und hätten Sie mich nicht angerufen, so würde ich Sie wahrscheinlich nicht wiedererkannt haben.“

Wir paßten ganz zueinander: ich der mittelalterliche Quellenforscher und das melancholisch geputzte Mütterchen an meiner Seite. Durch ein heiteres Wesen hatte sich Mamsell Martin wohl nie hervorgetan; aber nun hatten die Jahre und die Erlebnisse wie immer dichter sich übereinander schiebendes Gewölk das letzte Licht in ihren Altjungferzügen ausgelöscht. Ich hatte sie vorsichtig zu führen, denn ihr Schritt gehörte nicht mehr zu den festesten. Wir gingen langsam, und auch das war sehr nötig.

„Ich habe es gestern von einem guten, alten Freunde vernommen, daß Gräfin Irene jetzt hier ihren Aufenthaltsort genommen hat, Mademoiselle. Ich habe viel erfahren seit gestern, Mademoiselle, und vieles, was ich eigentlich ebenso gut, wo nicht besser als jener treue, wackere Freund wissen müßte. Nun gehe ich plötzlich auch mit Ihnen hier —“