„Alles bereit?“ fragte Don Ramiro wieder.
Der gerüstete Führer senkte stumm den Degen und wies mit der Linken auf die Haufen der Krieger, welche jetzt alle an den ihnen bestimmten Plätzen dicht gedrängt, regungslos standen. Des Spaniers Auge flog mit düsterer Befriedigung über all diese im Glanz der Fackeln blitzenden Harnische, Sturmhauben, Piken und Schwerter — er nickte. „Sie würden sich da draußen untereinander selbst fressen, gleich den hungrigen Wölfen,“ sagte er, „aber wir wollen zur Ehre Gottes und der heiligen Jungfrau“ — hier lüftete er den Hut, und alle Umstehenden taten das Gleiche — „unsern Teil an dem Verdienst haben, die Ketzer zu vertilgen! Erinnert Euch, Orticio, mit dem Schlage Elf beginnt das Feuer wiederum — mit dem Schlage Elf hinaus auf sie! Spanien und die Jungfrau! die Losung.“
„An eure Plätze, ihr Herren!“ erschallte das Kommandowort Francisco Orticios — ein dumpfes Gerassel und Geklirr der sich aneinander reibenden Harnische — Don Ramiro de Gusman schritt langsam prüfend die Reihen entlang; dann stieg er schweigend wieder zu dem Walle empor, nach einem letzten Wink und Gruß für Orticio, welcher sein Wehrgehäng fester zog.
„Noch eine halbe Stund’! Spanien und die Jungfrau, Spanien und die Jungfrau!“ ging es dumpf durch die Reihen der harrenden Krieger. — — —
Unsere Geschichte beginnt!
„So hole der Teufel die meineidigen Schufte und meuterischen Hunde!“ schrie der Hauptmann Burghard Hieronymus Rußwurmb in Verzweiflung, im Lager der dreizehn Fähnlein gewappneter Knechte, Reisiger und Fußsöldner, welche Herr Heinrich Julius, postulierter Bischof zu Halberstadt, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg als Obrister des niedersächsischen Kreises zufolge des Koblenzschen Reichsabschieds für diesen Krieg geworben und aus aller deutschen Herren Ländern zusammengebracht hatte. „Ist denn die Welt ganz umgekehrt? Es ist zum Rasendwerden!... So schlage zum letzten Mal die Trommel, Hans Niekirche — o heiliges Wort Gottes, das ist das Jüngste Gericht!“
Hans Niekirche aus Braunschweig, der Trommelschläger, ein blutjunger Wicht, welcher einem Schneider seiner Geburtsstadt aus der Lehre gelaufen war, hatte, hierhin gestoßen, dahin gezerrt, sich fast zwischen die langen Beine seines Hauptmanns gerettet und fing nun mit zitternden Händen von neuem an, das Kalbfell zu bearbeiten; während der Hauptmann hin und her lief, mit beiden Händen das Haupthaar durchwühlend. Er hatte wohl das Recht, zornig zu sein, der Wackere! Dicht hinter sich hatte er ein geplündertes Bauernhaus, dessen Fenster und Türen eingeschlagen waren, und auf dessen Schwelle ein junges Weib mit zerrissenen Kleidern, in der im letzten Krampf zusammengekniffenen Hand ein Büschel roter Haare, leblos ausgestreckt lag. An sein linkes Bein hing sich jetzt auch noch ein arm Kindlein in seiner Todesangst, zu seiner Rechten schlug Niekirch seine Wirbel, und rings um ihn her schrie und stampfte, fluchte und drohete sein meuterisch Fähnlein und rasaunte durcheinander, wie ein aufgestört Rattennest.
„O ihr Schelme, ihr Hunde, das soll euch heimgezahlt werden!“ brüllte der Hauptmann. „Warte, Hans Diroff von Kahla, warte, Koburger, Christoph Stern von Saalfeld, an den Galgen und aufs Rad kommt ihr; oder die Gerechtigkeit ist krepiert auf Erden. Warte, du Schmalz von Gera, dein Fett soll all werden, wie eine Kerze im Feuer! O Tag des Zorns, o Hunde! Hunde!“
„Gebt Raum, Hauptmann!“ schrie ein riesenhafter Kerl, genannt Valentin Weisser von Roseneck, dem Führer den Büchsenkolben vor die Brust setzend. „Ihr seid die Verräter, die Schelme, Ihr und Eure saubern Gesellen und Euer Graf von Hohenlohe, der Holländer! Wollt Ihr uns nicht etwa über das Wasser, über den Rhein, von des Reiches Boden führen? He, sprecht!“
„Nicht über den Rhein! nicht über den Rhein! nicht vor Bommel! nicht vor Bommel!“ schrie es von allen Seiten, und weit über das Feld durch alle Tausende wälzte sich dasselbe Wort. Der Hauptmann schlug den Kolben von seiner Brust zur Seite.