„Du hast es doch noch gut gehabt, Kamerad. Du saßest da in deiner Wildnis und sahest nichts und hörtest nichts, und alle die guten Dinge, von denen du eben sprachst, sind dir freilich erst heute abend zu Kopf gestiegen. Mir aber hat bis zu dieser Stunde die Kugel unseres Feldherrn in der Krone auf dem Herzen gelegen. Ach Korporal Knäckabröd, was meinet ihr, wenn wir den Weg fänden?“

„Den Weg wohin?“ schrie der Hirte von der Lorena.

„Den Weg nach Hause! Den Weg zu den Fahnen mit dem Löwen von Mitternacht!“ schrie der Hafenwärtel von Lindau emporspringend. „Korporal — Kamerad, Herzbruder, wenn wir zur rechten Zeit kämen, um noch einmal — vor Torschluß, Sven! — noch einmal, einmal in Reih und Glied zu treten?! Der Karl Gustav, der Wrangel, unser General ist ja wieder an der Spitze; der nicht jünger ist als wir! Der Wrangel marschiert, der Wrangel, mit dem wir hierher kamen! Das ist das Heimweh, Kamerad, und wir gehen, Kamerad — wir marschieren, Herzbruder; wir desertieren — wir gehen zum Wrangel — in dieser — Nacht noch!“

„In dieser Nacht noch!“ ächzte der Kriegsgefangene der Frau Fortunata Madlener zu Alberschwende und drückte beide Fäuste auf die Augen. Dann sprang er von dem Geschützlauf empor und sang im halben Wahnsinn des höchsten Jubels in die Mondenscheinnacht hinaus:

„Auf Dovrefield im Norden

Liegen die Kämpfer ohne Sorgen.

Ruhe im Glied!... wir gehen zum Wrangel! o wenn es doch wahr wär’, wann ich morgen früh aufwache!“

„Hast du ein Eigentum, drüben bei den Hirten im Gebirge, Sven?“

Der Korporal schüttelte den Kopf und schob die Hände tief in die leeren Hosentaschen.

„Ich hab’ in meinem Turm dorten aller Welt Schätze,“ grinste Rolf Rolfson Kok; „einen Tisch, einen Stuhl, einen Strohsack, eine Muskete, ein halb’ Dutzend Angelruten und allerhand Netzwerk, drei Töpfe, eine Pfanne und einen Finken im Bauer. Den Vogel lass’ ich fliegen, denn wir fliegen ja selber; — dreißig Gulden hab’ ich auch, die hol’ ich, und alles andere vermache ich dem Rat und der Bürgerschaft von Lindau. In zehn Minuten sind wir reisefertig. Dort liegt mein Kahn, — in zehn Minuten schwimmen wir auf dem See und, weißt du, in Nonnenhorn landen wir und müssen dann sehen, wie wir den Weg weiter finden. Courage, Alter; sitze still, bis ich wieder komm’. Jetzt mach’ ich den Kehraus in meinem Quartier, und morgen früh sind wir weit hinaus auf dem Marsche nach Hause!“