„Freilich wäre dieses eine großmächtige Ehre für uns gewesen“, meinte der andere nachdenklich, „aber Sven Knudson Knäckabröd, es ist auch so, wie es jetzo ist, recht angenehm. Hat nicht der Oberst Wangelin vor der Front von seinem Regiment gesagt, es sei eine mächtige Ehre für ihn, daß wir bei ihm zu Pferde stiegen? Und wir sind zu Pferde gestiegen, Sven; du, weil du in deinen Bergen eben lange genug auf der Kuh geritten hast; ich, weil ich vordem dem Rate zu Lindau auch als Feuerreiter aufgewartet habe. Wir sind zu Pferde gestiegen, Korporal Knäckabröd; — nachdem wir lange genug im verzauberten Schlaf lagen, sind wir endlich als junge Burschen wieder aufgewacht und aufgesessen. Ist es nicht so? Und als es neulich über die Grenze ging, nach alter Weise mit fliegenden Standarten, Pauken und Trompeten, haben wir uns da nicht gefühlt wie die Jüngsten? Haben wir da nicht die Hüte geschwenkt wie die jüngsten Jungen bei der Bagage? Daß wir heute einen roten Rock tragen, ist mir freilich nicht so lieb, als wenn wir noch im gelb und blauen Koller auszögen; aber es ist einerlei: vivat die Helden aus Mitternacht! vivat der glorreiche, ewig siegreiche Karl Gustav, der Feldmarschall Wrangel! Und eine Lust war’s doch auch, daß wir mit einreiten durften in die Städte, nach alter Art: in Landsberg, Krossen, Wriezen und wie sie sonsten heißen; und ein Pläsier ist es, daß wir — wir, Korporal Sven, heute diese Wacht halten an der Havel gegen die Brandenburger.“

„Gegen die Brandenburger“, lachte höhnisch der Korporal Sven Knäckabröd. „Bah, wo sind sie denn, diese Brandenburger? Wirf einen Groschen da in den Nebel hinein, so weit du kannst, und such’ ihn nachher! So kannst du auch nach den Brandenburgern suchen, Rolf Rolfson Kok.“

„Nein, Sven, sie sollen sich doch ziemlich brav gehalten haben am Rhein gegen die Franzosen. Ich hab’ mich hier und da umgehört und mancherlei vernommen; die Herren Offiziers und Politici munkeln allerlei. Wir haben uns eigentlich diesmal das Spiel doch ein wenig zu leicht gemacht. Der welsche Signor in der Krone war auch ein Politikus, und was er von der Katz’ und den Mäusen gesagt hat, das ist nicht ohne. Bruderherz, ich gäb’ viel darum, wenn dieser Kurfürst Friedrich Wilhelm bald zu Hause wieder einsähe, und zwar mit Macht und Gewalt. Um Kinderspiel sind wir doch den weiten Weg nicht hergekommen, und ich sage dir, Kamerad, ich hoff’ auf den Kurfürsten wie auf eine Braut, und ich hoffe, er bringt das doppelte unserer Armada mit, daß wir doch Ehre davon hätten. Bruder Sven, es wär’ mir ein Ekel, wenn das Spiel bis zum Ende zu leicht blieb, und wir gewonnen! schrieen, wie ein Lagerweib über einen gestohlenen Unterrock.“

„Da tröst’ dich, Herzbruder Rolf; auch ich habe mich unter den Politikern umgehört und das Meinige in Erfahrung gebracht. Auf dem Marsche nach Hause und gegen uns sind sie; aber daß es ein weiter Weg vom Rhein bis an die Havel ist, das haben wir ja auch gespürt. Mir ist’s auch lieber, wir rufen Viktoria auf einem ordentlichen Felde, als daß wir uns wie der Fuchs in den Taubenschlag geschlichen haben sollten, und niemand vorhanden wäre, dem es am Herzen läge, uns zu verjagen.“

„Wie geht ihr Weg eigentlich? Kannst du mir das in den Sand malen?“

„Nein, solches vermag ich nicht; aber ich zähl’ an den Fingern unsern eigenen Marsch ab und vermeine, wir haben auch unsere Zeit gebraucht. Sie kommen wie wir durch der Schwaben Land, auch durch des Bischofs von Würzburg Grenzen, und nachher durch der Thüringer Berge. In der Stadt kalkulierten sie gestern beim Landrat von Briest, sie möchten vielleicht schon bei Erfurt stehen. Geduld’ dich noch ein paar Tage, Kamerad Rolf; dann magst du nach deinen Pistolen sehen und das Schwert in der Scheide lockern.“

„Das gebe der Himmel zu unserem und Schwedens Ruhm“, sprach der Korporal Rolf Kok, und —

„Halt! Werda?“ rief in dem nämlichen Augenblick der Posten an der niedergelassenen Brücke und warf den Karabiner schußgerecht vor.

11.

Der Nebel lag noch dicht und schwer auf Fluß und Land, der Morgen zögerte noch immer; man sah kaum zehn Schritte weit hinaus auf die Landstraße, die nach dem Dorfe Böhne und weiter nach Genthin, und über Parchen nach der Elbe und der Stadt Magdeburg zu führte.