„Ich liebe Dich so!“ flüstert Gustav wieder, worauf Elise nichts erwidert, sondern den Kopf in die Blätter ihres Efeus verbirgt. Der Mond kann sich in diesem Augenblick wahrscheinlich in einem flimmernden Perlentröpfchen, das in einem blauen Auge hängt, spiegeln, und als das Köpfchen sich wieder erhebt aus dem grünen Blätterwerk, ist an Gustav die Reihe, Elise die Locken aus der Stirn zu streichen.
„Sieh, wie der Mond da oben schwimmt,“ sagt Elise. „Warum macht er uns oft so tiefes Heimweh, als ob wir hier auf der Erde gar nicht recht zu Hause wären, Gustav? Sieh, da ist nur noch ein einziger kleiner Stern, mutterseelenallein, wie ein goldener Funken. Sieh, — rechts vom Monde!“
„Ich sehe noch zwei!“ sagt Gustav. „Ganz nah’, und habe darum auch gar kein Heimweh und — willst Du wohl wieder die Augen aufmachen, Blondkopf! — Sieh, das hast Du davon; was ich noch Weises sagen wollte, hab’ ich nun rein vergessen!“
„Dann war’s gewiß eine Lüge, Braunkopf!“ meint Elise lachend. „Und nun steh’ auf, der Onkel und die Tante sitzen da den ganzen Abend im Dunkeln; — es ist sehr unrecht, daß wir uns gar nicht um sie bekümmern. Komm, wir müssen wirklich zusehen, ob sie nicht eingeschlafen sind.“
Gewiß waren sie nicht eingeschlafen. Nur das Spinnrad der alten Martha hatte aufgehört zu schnurren, und schlummernd saß sie in ihrem Winkel.
„Soll ich Euch Licht anzünden, oder — sollen wir wieder einmal einen Mondscheingang machen?“ fragt Elise, mir den Arm um die Schulter legend.
„Euch?“ fragt die Tante Helene. „Warum denn nur ‚Euch‘ Licht anzünden?“
„Das will ich Dir sagen, Mama,“ mischt sich Gustav ein. „Du kannst bekanntlich keine Mäuse sehen, und da es seit einiger Zeit hier beim Onkel Wachholder ordentlich von ihnen wimmelt, so sind wir Deinetwegen so aufopfernd, im Dunkeln zu sitzen.“
„Waren das etwa Mäuse, was wir da am Fenster knuspern und pispern hörten?“ frage ich.
„Ich habe nichts gehört!“ sagt Lischen treuherzig, während Gustav: „Versteht sich!“ ruft und den Inhalt eines Obstkörbchens in seine Tasche ausleert.