Darunter trägt sie groß Herzeleid
In ihren jungen Tagen …‘
Nahm ich den Hut ab und trat in die Hausflur: Grüß Gott, Jungfer Lieschen, bin zurück aus Franzosenland, — wollte ich sagen, sprach aber kein Wort, sondern fiel mir der Hut zur Erde, und mußte ich mich am Pfosten halten, um nicht selbst zu fallen. Da saß ein bleiches Wesen mit eingefallenen Wangen im Winkel, hatte die Hände im Schoß gefaltet und zitterte, als ob ein heftiger Frost es schüttle.
‚Luise, Luise!‘ schrie ich auf, in die Knie vor ihr stürzend, in unmenschlicher Angst.
Die Gestalt erhob sich, kam schwankend auf mich zu und sagte, indem sie mit eiskalter Hand mir über die Stirne strich:
‚Ei, mein schön’s Lieb, bist zurück aus fremdem Land? Hab lange auf dich gewartet, mein blankes Herz!‘
Schlug mir das Herz, daß mir der Harnisch zu springen drohte, den betastete sie, und über dessen Glanz schien sie sich zu freuen.
Was weiter vorging, weiß ich nicht; noch eine Zeitlang hörte ich den Gesang wie aus weiter Ferne:
‚Es trägt mein Lieb ein schwarzes Kleid,
Darunter trägt sie groß Herzeleid‘