„Gute Nacht, Elise! Felicissima notte, sagen sie in dem schönen Italien, wo Du heute weilst, eine glückliche, liebende Frau: Felicissima notte, Elise!“
Am 10. Januar.
Seit ich jene Mappe, überschrieben: Ein Kinderleben, — hervorgenommen habe, ist in meinem bisherigen Fenster- und Gassenstudium eine Pause eingetreten. Es soll draußen sehr kalter Winter sein; Strobel behauptet es, auch Rosalie ist nicht dagegen. Ich kann nicht sagen, daß ich viel davon wüßte. In diesen vergilbten Blättern hier vor mir ist es sonniger Frühling und blühender Sommer. Es macht mir Freude, mich darin zu verlieren, und ich erzähle deshalb weiter.
Da ist so ein altes Blatt:
Wir sind sehr ungnädig. Ein alter, dicker, lächelnder Herr ist dagewesen, hat uns den Puls gefühlt, noch mehr gelächelt, einigemal mit seinem spiegelblanken Stockknopf seine Nasenspitze berührt, hat Tinte und Papier gefordert und kurze Zeit auf einem länglichen Papierstreifchen gekritzelt. Martha hat diesen Zettel darauf fortgetragen, der Alte hat uns auf das Köpfchen geklopft und gesagt: „Schwitzen, schwitzen!“
„Brr!“ — —
Mühe genug hat’s dem Onkel Wachholder gekostet, einen solchen kleinen strampelnden Wildfang zur Räson und ins Bett zu bringen. ’S ist auch zuviel verlangt, die Arme so ruhig unter die Decken zu halten und nur den Kopf frei zu haben. — Himmel, was bringt Martha da für einen kleinen braunen Kerl an! Er gleicht fast: dem Sem, dem Ham oder dem Japhet aus dem Noahkasten, trägt ein rotes Mützchen über das Gesicht gezogen und mit einem Faden umbunden, und schleppt hinter sich her einen langen papiernen Zopf. Was ist’s für ein Glück, daß wir noch nicht imstande sind, die Inschrift darauf zu lesen:
Fräulein Elise Ralff.
Alle 2 St. einen Eßlöffel voll.
Wir sehen den Burschen aber doch mißtrauisch genug aus unserm Bettchen an, und der Doktor Wimmer, der zur Hilfe herübergekommen ist (natürlich begleitet vom Rezensenten), meint gegen mich gewandt:
„Geben Sie acht, Wachholder, ohne Spektakel wird’s nicht abgehen. Das Volk hat sich erkältet oder erhitzt; einerlei! Schwitzen, schwitzen! Schweiß und Blut! Probatum est.“