Ungeduldig klatscht der Kutscher unten vor der Tür, ungeduldig treibt Elise; während Martha noch immer Zurüstungen macht wie zu einer Reise nach dem Nordpol. Endlich aber steigen wir in den Wagen.
Unsere Sonntagsodyssee beginnt.
„Hätte der Onkel Doktor nicht morgen abreisen können?“ fragt noch Lischen nach dem Zettel droben schauend, auf welchem die Madame Pimpernell ankündigt:
„Hier ist eine Stube mit Kabinett zu vermieten.“
Roder lächelt, scheint etwas auf dem Herzen zu haben, aber sich gegenwärtig auf weiteres nicht einlassen zu wollen, und so rollen wir durch die noch stillen Straßen dem Tore zu. An den Wochentagen ist’s um diese Zeit schon lebendig genug, heute aber schläft das Volk der Arbeit in den Morgen und den Sonntag hinein; es hat das Recht dazu nach sechs Schöpfungstagen.
Jetzt sind wir in den grünen Anlagen, die sich rings um die Stadt ziehen. Landhäuser und Gärten fassen auf beiden Seiten die Straße ein. Eine Eisenbahnlinie geht mitten über den Weg, und wir müssen anhalten, denn ein Zug fliegt eben brausend und schnaubend dem Bahnhofe zu. Der Sonntag, welcher den Städter hinausführt, bringt den Landmann hinein in die Stadt, und alle die Tausende, die heute ein- und ausfliegen werden, suchen alle ein andres Ziel des Genusses; jeder die Freude auf eine andre Weise.
Schon haben wir die letzten Gärten hinter uns und fahren nun langsam die Pappelallee hinauf den Höhen zu, welche im weiten Umkreis die große Ebene und die große Stadt umgrenzen. Die Sonne steigt empor über dem Walde; die Knospen, die Blätter, die Blumen tragen alle einen Tautropfen, das Geschenk der Nacht; die Lerche erhebt sich jubelnd in die blaue, frische Luft, und auch sie schüttelt Tau von den Flügeln. Wenn wir zurückblicken, liegt die große Stadt noch verhüllt in dem silbergrauen Duftschleier, den sie selbst sich webt, und den sie, wie Penelope den ihrigen, nur zertrennt, um ihn von neuem zu knüpfen. Wie eingewebte Goldsterne blitzen die Kreuze der Türme — die Zeichen des Leids — darauf. — Wir aber fahren schon im vollen Sonnenschein, und jetzt sind wir am Rande des Waldes angekommen; nun brauchen wir den Wagen nicht mehr, und schnell rollt er die Höhen wieder hinab, der Stadt zu.
Was trappelt auf einmal vor uns und raschelt durch das welke Laub des vorigen Jahres, das den Boden bedeckt? Was bricht da durchs Gebüsch, die Ohren und den schwarzen Pelz naß vom Morgentau, lustig jetzt um uns her bellend und springend und die hellen blitzenden Tropfen abschüttelnd?
„Hurra! Willkommen im Walde!“ ruft eine wohlbekannte Baßstimme.
Wer trabt da lachend her — hinter einer kleinen Rauchwolke, eine hohe schwankende Königskerze auf dem Hut, — auf dem Fußpfade, der seitab tiefer ins Holz führt?