„Wohlleben und Jubilation, ehrwürdiger Herr,“ erwiderte der schlaftrunkene, kaum auf den Füßen sich haltende und zwischen jeglichen zwei Worten gähnende Pförtner. „Offenes Haus — seit Eurer Abfahrt — wochenlang — die französische Generalität bei Tag und Nacht! — O, wir haben uns als freundliche Wirte erwiesen, mein Frater — wie es uns zukam, mein Frater; — und die französischen Herren waren auch sehr zufrieden mit uns. Wir haben ein gutes Gedüfte von uns mit ihnen in die Ferne entlassen.“

„So, so, hm, hm,“ brummte der Bruder Heinrich von Herstelle, „und derweilen mußte unsereiner im unwegsamen Solling umhervagieren und mit des verdrießlichen Braunschweigers kalter Küche und lackem Kofent vorlieb nehmen! Ei, ei, und ich bringe doch auch Botschaft vom Gange — wichtige Nachrichten! Ist denn niemand von den Vätern noch wach, daß er sie mir abnehme und mich der Responsabilität erledige?“

„Keiner! Wir sind alle zu Bett in der großen Müdigkeit; — wenn — nicht vielleicht der ehrwürdige Vater Adelhard —“

„Aha!“ brummte der Bruder Henricus. „Saget nichts weiter, mein lieber Sohn! Ich danke Euch, daß Ihr mir das Tor geöffnet habt; nun leget Euch wieder, und Sankt Benediktus versorge Euch mit einem heilsamen und frommen Traum.“

„Euch desgleichen, mein Frater,“ erwiderte der Bruder Pförtner und zog sich zurück in seine Zelle; der Bruder Henricus fand seinen Weg schon allein.

Er tappte die Gänge und Zellen entlang, und hinter mancher eichenen Tür hervor vernahm er das sonore Schnarchen der Brüder und Väter im Herrn.

„Wie die Engel schlafen sie,“ brummte der Bruder Henricus, fügte aber sonderbarerweise an: „Na, na!“

So kam er vor der Pforte des Stiftskellners Adelhardus von Bruch an und klopfte.

„Domi!“ klang es im tiefen Baß — domi, das heißt „Bin zu Hause! Bin drin!“

„Gott sei Dank,“ murmelte Bruder Heinrich und trat ein mit dem durch die Ordensregel des heiligen Benedikts vorgeschriebenen Gruße. Wer aber nicht die Responsen darauf sang, das war der Vater Adelhardus. Der war wirklich drinnen; er saß breit im bequemen Stuhle vor dem Eichentisch, und wenn das, was da vor ihm stand, die letzten Überbleibsel vom französischen Feste waren, so war’s freilich hoch hergegangen zu Corvey, aber auch noch mancherlei übrig geblieben.