Im Heimgehn er einen Narren trug.
Mancher kompt daher ganz Sinnreich,
Und geht weg ganz bös und grimmich.
Ihr viel da kommen frisch und gesundt,
Da gehn sie heim in Todt verwundt,
Oder sonst gefallen, geschlagen —“
singt der erfahrene „Landtkündiger“ weiter, und so war es. Sie schlugen sich jedesmal wacker um die Bosseborner Laterne; und wenn Bosseborn und Ovenhausen zwischen sich den Streit begannen, so war kein Dorf, das zurückbleiben wollte, sondern sie fielen alle drein und aufeinander. Ohne das gab es kein Sankt-Vitus-Fest zu Corvey, und weder das Kapitel noch der braunschweigische Gesandte konnten das geringste da tun, außer daß sie es abermals fertig brachten, daß auch das nächste Mal Bosseborn wieder die „Bosseborner Laterne“ trug.
Doch während wir hier das Krumme gerade machten und der Wahrheit zu ihrem Rechte verhalfen, tobt der Mutwillen viehisch fort in Höxter, wird der zerschlagene Meister Jordan Hunger von seinem heulenden Weib und vergnügten Freunde nach seinem Bette geschleift und — — zieht eine andere Prozession langsam heran. Letzterer wenden wir uns jetzt zu und treffen sie auf dem Wege, den vorhin der Bruder Henricus zur Abtei beschritten hatte. Der Bruder Henricus maß diesen Weg jetzt zurück, er befand sich mit an der Spitze dieses Zuges, der von Corvey kam. Er war ein Kriegsmann gewesen in seiner Jugend, und sein Prior, Herr Nikolaus von Zitzewitz, hielt sich an ihm und ließ ihn nicht von seiner Seite. Dicht hinter ihm hielt sich der Subprior Florentius von dem Felde und der Probst Ferdinandus von Metternich. Den guten Vater Adelhard, den Cellarius, hatte man seiner Unbehülflichkeit halben in diesen gefährlichen Nöten zu Hause gelassen, um dort Ordnung zu halten.
Die Abtei zog heldenhaft nach der Stadt, um sich selber Nachricht über die Vorfälle dort zu holen, da „impie et nefarie“ ruchloser- und leichtfertigerweise niemand gekommen war, um ihr solche zu bringen.
Aber Corvey konnte nicht anders; Corvey mußte auf den Plan! Die Abtei, eben in ihren „Rechten“ durch den fremdländischen Helfer, den größesten der französischen Feldherren, gegenüber der rebellischen Bürgerschaft von Huxar und dem braunschweigischen Schutzherrn gekräftigt, mußte alles daran setzen, daß ihr die soeben nach langem Streite endlich einmal wieder fester gepackte Obergewalt nicht von neuem aus den Händen gleite. Es galt, Höxter gegen jeglichen Feind oder Aufrührer festzuhalten, und so zog das Stift in Waffen gegen die Munizipalstadt. Unter Umständen verstand es Herr Christoph Bernhard von Galen, merkwürdig böse Gesichter zu schneiden, und Corvey wußte das und kannte das.