„Das wird viel helfen, der Graben ist dazwischen,“ murmelte der Propst.
„So lasset den Zinkenisten von Corvey hertreten, Sohn Heinrich! Er soll sich den Hals zersprengen; aber uns den Pförtner auf die Mauer schaffen. Das ist eine scheußliche Nacht!“ grollte der Prior.
Das alte Stift hatte seinen Trompeter mitgebracht, und er blies, — er blies und blies sich halb die Lunge heraus, bis sein Blasen von der gewünschten Wirkung war.
Endlich, endlich flimmerten Laternen auf der Mauer, und dann rasselte die Brücke unter dem alten Torturm herunter; mit dem Hute in der Hand, von seinen Laternenträgern begleitet, wackelte der Hauptmann Meyer eilfertig und atemlos hervor, den Prior und das Stift zu begrüßen: ein freundlicher, ältlicher Herr, rötlichen Angesichts, breitbäuchig und behäglich, auch einer der besten Freunde des Pater Cellarius, Adelhardus von Bruch.
Höchst verdrießlich empfingen ihn für diesmal die übrigen Würdenträger des Stiftes.
„Sie sind wirklich mit Degen und Feldbinde da, Monsieur?“ schrie der Prior. „Weshalb kommen Sie nicht auch im Schlafrock und denen Pantuffeln, mein Herr Hauptmann? Aus dem Bett kommen Sie ja doch! Bei Sankt Veit, Herr, es geht lustig zu in Höxter. Die Sturmglocke bringt das ganze Land in Aufruhr, und der Herr Kapitän drehen sich auf die andere Seite und geruhen weiter zu ruhen. Wo steckt Ihr mit Euren Leuten, Meyer? Hat man Euch dazu der Stadt Obhut zum zweiten Male anvertrauet?“
Der bischöflich Münstersche Befehlshaber ließ dieses und noch eine Reihe ähnlicher Vorwürfe und Fragen wie das Hochwasser aus einem aufgezogenen Schütt über sich hingehen. Erst als der Prior von Corvey mit seinem Atem zu Ende war, verantwortete er sich oder fing wenigstens an, sich zu verantworten.
„Aus dem warmen Bett komme ich nicht, Hochwürden, sondern von den Wesermauern am Brucktor, allwo ich seit angehobenem Tumult auf den Noht gepasset habe nach meinem Eid und meiner Pflicht.“
„Auf den Noht?!“
„Ja, Hochwürden, auf des Herzogen Rudolf Augusten Oberstwachtmeister Noht!“