„Ein Kind sieht hier germanisches Gebein,“ schrie Steinbüchse, „aber jeder unver—“

„Halt, halt, halt, meine Herren!“ schrie auch ich jetzt mit aller Kraft meiner Lungen. „Keinen neuen Friedensbruch! keine unnötigen Anzüglichkeiten! keine gelehrten Redeblumen! Bitte, Herr Professor, kommen Sie soeben von diesen fraglichen Knochen zurück?“

„Ich bin auf der Reise dorthin begriffen.“

„Also haben Sie eben diese Knochen noch gar nicht gesehen?“

„Nur durch das Medium der öffentlichen Blätter.“

„Und Sie sind auch noch gar nicht oben am Rudolfsturm gewesen, Herr Zuckriegel?“

„Bei diesem Wetter? Müßte doch ein Narr sein! Die Knochen schwimmen nicht fort, und ich kann warten. Lag ruhig auf dem Rücken und las den Avé-Lallemant, als ich überfallen wurde von diesem — — —“

Der Rest der Rede ging in einem undeutlichen Gemurmel verloren, ich glaube etwas von „böotischem Hochstapler“ vernommen zu haben; heiser wie ein vermittelnder neutraler Gesandter auf einer Friedenskonferenz rief ich:

„Reichen Sie sich die Hände, meine hochverehrten Herren. Ohne Umstände — seien Sie Brüder, wie Sie Kollegen sind. Die Wissenschaft schreitet am besten durch das heitere Bündnis aller Kräfte fort. Lassen Sie uns friedfertig zusammen zu Abend essen und morgen früh frisch, fromm, froh emporsteigen zu diesen geheimnisvollen Gebeinen, und den Streit an Ort und Stelle zum Austrag bringen.“

Durch mehrere verhängnisvolle Augenblicke sahen sich die beiden Gelehrten grimmig an; dann aber zeigte Steinbüchse, daß er noch nicht ganz dem Prosektor ähnlich sei; er erklärte sich bereit, Frieden und den Mund zu halten bis morgen früh; setzte jedoch hinzu, daß er morgen früh bei jedem Wetter zum Rudolfsturm hinaufklettern werde.