»Das ist auch gar nicht nötig, alter Hexenmeister!« rief ich lachend; doch über das offene ehrliche Gesicht des jungen Seefahrers war ein sonderbarer Schatten gefallen. Er blickte das schöne Kind, die Gertrud Tofote bedenklich von der Seite an und zerrte unruhig an seinem bunten Halstuche; ich aber las in seiner Seele, und zwar folgendes:
»Also so steht die Geschichte? Und deshalb aus dem Alltagsverdruß und der Leineweberei durchgebrannt und auf See gegangen, um ihr mit dem Sack voll spanischer Dublonen und sämtliche Taschen voll Demanten und Perlen eines Tages vor die Nase in allerhöchster Glückseligkeit treten und sie fragen zu können: Na nu Gertrud? —! Uh! Himmel und Hölle, wenn ich ihr jetzt käme mit dem, was mir die Hadschis eingebracht haben! O verflucht, da wäre es doch am besten, ich hätte das alte Land gar nicht wieder angelaufen.«
Ich beobachtete einen tiefen Griff beider Hände des jugendlichen
Abenteurers tief in beide Hosentaschen hinunter, und sagte wie er in der
Tiefe meiner Seele:
Ja, ja — ja! —
Aber jetzt war es wirklich die höchste Zeit zum Aufbruch geworden, und der
Meister sprach nur noch:
»Herr Bergsekretär, den Karl Schaake nehmen wir mit; denn so halb und halb gehört er doch, von seinen ersten dummen Streichen an, zur Familie;« — dann gingen wir, und hatten nun sogar zu laufen, um die verlorene Zeit einzuholen.
Wir liefen, und die ganze Gaststube in der Stadt Lübeck stellte sich auf die Zehen, um uns respektvoll und mit den notwendigen Glossen nachzusehen. Wir liefen, und statt sich mit Händen und Füßen gegen die Begleitung des Trudchens in das unmenschliche Glück hinein zu wehren, lief Karl selbstverständlich mit der Erbin vorauf.
Es schlug gerade feierlich zwölf Uhr auf Sankt Katharinen, als wir uns an der alten Kirche vorüber dem Tor zuwendeten.
»Umstände werden sie uns freilich wohl nicht mehr machen. Wir können uns dreist in den Honigtopf hineinsetzen,« sagte der Meister Autor, und es verhielt sich selbstverständlich so, wie er sagte.
Wir schritten langsamer den jungen Leuten nach durch das Tor, vorüber an einem der Kirchhöfe der Stadt, und dann durch eine enge im Zickzack laufende Gasse, zwischen Planken und lebendigen Gartenzäunen etwa zehn Minuten fort. Dann standen wir, Gartenhecken, Gärten, Gitter, Gartenhäuser rechts und links, und suchten uns zu orientieren. Dann fanden wir uns zurecht und schritten in eine Nebengasse hinein, in welcher wir dann natürlich wieder so ratlos als vorher standen.