»Siehst du, Onkel, das habe ich dir auch gesagt!« rief Gertrude Tofote, und damit traten wir über die Schwelle des Gartens und ein in das Erbe, welches Mynheer van Kunemund der Tochter Arend Tofotes gegeben hatte, und wir sahen alle noch einmal zurück über die Schulter, nur die Gertrud nicht; — Gertrud sagte:

»Oh!« und sah sich nur um.

»Es ist doch wunderlich!« sprach der Meister Autor, kopfschüttelnd nach den dichten dunkeln Baumgipfeln blickend, die in der Ferne die Lage des Kirchhofes andeuteten, auf welchem man seinen kleinen Bruder eingescharrt hatte, ohne daß der Meister dabei zugegen gewesen war.

Was mich persönlich anbetraf, so hatte ich mich seit meinen Kindheitsjahren nicht in einer gleichen märchenhaften, neugierig-bänglichen Stimmung wie die jetzige befunden. Und da sich meine Rolle hier doch nur auf die eines horchenden, zurechtlegenden Beschauers beschränkte, so entging mir wenig dessen, was die Stunde bot; und alles, was ich sah, hörte — paßte in das Märchen — vor allem andern auch der junge, verdrossene Seefahrer, Herr Karl Schaake, der Leichtmatrose.

Da standen wir im Grün und in der Sonne und mitten im verwilderten Rokoko. Aus ausgewuchertem dichten Taxus sahen graue Sandsteinfiguren — pausbackige Kinder, hochbusige Nymphen hervor. Der gelbe feine Sand knirschte unter unsern Füßen, und an einer uralten Sonnenuhr in der Mitte des Rundplatzes machte uns der Mohr Mynheers van Kunemund eine zweite und womöglich noch tiefere Verbeugung:

»Dort ist das Haus,« sagte er, auf ein altersschwarzes moosbedecktes Ziegeldach deutend, welches in einer Entfernung von etwa hundert Schritten über das Gebüsch emporragte.

»Und wo sind die Gerichtsherrn?« fragte Herr Autor Kunemund.

Auf diese Frage hin zog Signor Ceretto grinsend die Schulter in die Höhe:

»Die Sennorita darf sich darauf verlassen, daß sie in ihrem Eigentum ist. Der Herr Kunemund weiß das auch recht wohl; er hat es ja selber auf dem Stadtgericht gehört, daß alles in Ordnung sei. Der selige Herr verstand es bis zum Letzten, Ordnung in allen seinen Angelegenheiten zu machen. Das gnädige Fräulein darf dreist weiter spazieren.«

»Was ist denn aber das?« fragte der Meister Autor vor einer rotweißen
Stange stehen bleibend, die mitten im Wege zwischen dem Grün, den Blumen,
unter den summenden Bienen, den flatternden Schmetterlingen und den grauen
Steinbildern im Boden stand.