Der junge Mann nickte mit allem Nachdruck, den Blick nicht von mir abwendend.

»Nun, was hindert Sie denn, lieber Karl? Ich meine, wir können es vor dem
Meister Autor, dem Bruder Mynheers van Kunemund, wie vor der niedlichen
Erbin Mynheers — und vor letzterer am ersten verantworten. Sehen Sie, das
Fenster steht weit genug geöffnet. Werfen Sie, und reinigen Sie das Haus
von dem Unheil!«

So vieler Worte hatte es kaum bedurft. Beim ersten bereits war der
Seefahrer aufgesprungen, und jetzt flog im weiten Bogen der Stein der
Abnahme aus dem Fenster und klatschend mitten in das Bassin vor dem Hause.

»So — gottlob!« rief tief aufatmend Karl.

»So!« sagte ich lachend und habe späterhin Gelegenheit gefunden, mich dieses Lachens mehrfach zu erinnern. Fürs erste fanden wir uns noch einmal im Garten unter den Bienen, Blumen und Schmetterlingen zusammen und beredeten noch dieses und jenes, woran Gertrud Tofote, versunken in ein unruhiges Träumen, wenig Anteil nahm.

Dann fragte Herr Kunemund:

»Du wirst doch heute mit uns essen, Karl?« und Karl dankte zögernd und sagte:

»Ich habe der Muhme im Cyriacihofe versprochen, heute bei ihr zu bleiben, und sie wird schon längst eine recht schöne Rede über mein Ausbleiben für mich in Bereitschaft haben.«

So nahmen wir Abschied. Wir, der Seefahrer und ich, ließen die Erbin im Besitz der Erbschaft Mynheers van Kunemund, und ein jeder ging seines eigenen Weges: ich den meinigen, wie gesagt, durch verschiedene Jahre. In diesen Jahren hatte ich das Meinige in Wohl und Wehe abzutun und konnte mich nicht immer mit dem, was andere Leute eigentlich allein anging, beschäftigen. Aber dessenungeachtet behielt ich diesen Tag mit allen seinen Figuren und Vorgängen in merkwürdiger Frische in der Erinnerung. Den Meister Autor hatte ich ja sogar, wie man das so nennt, liebgewonnen. Und wenn man sich gewöhnlich wenig mehr bei dem Wort denkt, als daß ein wohltuend warmes Behagen von der oder der Persönlichkeit für uns ausgeht, so trat hier doch noch etwas anderes hinzu: ich hatte nämlich den Meister auch da zu respektieren, wo sich mein ganzes, oft flüchtig genug im Tage lebendes Wesen gegen seine Natur und sein Treiben als gegen etwas ganz Gewöhnliches und Einfältiges, wenngleich ungemein Feststehendes sträubte.

Das Behagen behielt freilich stets die Oberhand. In mancher verdrießlichen Stunde schweifte meine Seele mit Wohlgefühl in des Alten Einsamkeit und sein sagenhaftes Leben hinüber; und in mancher unsichern Stunde habe ich ihn, den Meister Autor Kunemund, in der Einbildung um Rat gefragt, denselben jedesmal erhalten und wirklich dann und wann befolgt und zwar niemals zu meinem Schaden, wenngleich sehr häufig zur unmäßigen Verwunderung anderer Leute.