Nun sah man sich an, und der Vorschlag fand genügende Unterstützung.

»Tofote heißt der Förster dort,« sagte der junge Herr von Müller. »Es ist eine eigentümliche Wirtschaft dort. Bei der Forstbehörde ist der Kerl grade nicht zum besten angeschrieben, aber das braucht uns freilich nicht abzuhalten, ihm eine Visite zu machen. Die Idee ist gut, überfallen wir den Burschen! Wenn die Herrschaften erlauben, werde ich den Weg andeuten.«

Nun waren alle Lebensgeister auf einmal wieder wach, und wir im nächsten Augenblick auf dem Marsche durch den Elm zum Förster Arend Tofote. Die jungen Leute stimmten ein Waldlied von Eichendorff an, welches sehr hübsch und romantisch unter den hohen Buchenwölbungen klang; und wer uns nun wieder sah und hörte, der war verpflichtet, ohne Widerstand und Widerrede verpflichtet, uns für das zu nehmen, was wir schienen, nämlich waldfröhliche, hübsche, vergnügte Kinder der Natur, junge sowohl wie alte.

Zweites Kapitel.

Ich heiße Schmidt. Mein Name ist drolligerweise sogar von Schmidt. Es ist beängstigend aber wahr, ich gehöre dem Adel der deutschen Nation an, und ich habe sogar meinen Vater noch in Verdacht, sich etwas darauf zugute getan zu haben. Bei welchem Märchenkönig der Ahnherr meines Geschlechtes Kanzler oder lustiger Rat war, habe ich nie herausbekommen können; aber daß wir ein altes Geschlecht sind, das weiß ich; und daß wir selten unseres Glückes Schmiede waren, das weiß ich leider auch. Seit ich den Meister Autor Kunemund kennen gelernt habe, bilde ich mir ein, daß unsere Bezüge mehr als tausend Jahre alt sind, und es würde mich gerade nicht wundern, wenn der Ahnherr derer von Schmidt im geheimen Rate jenes braven Jungen gesessen hätte, der König wurde, weil's ihm nicht gruselte, und dem das Gruseln erst längere Zeit nach seinem Regierungsantritt durch seine Frau gelehrt wurde.

Dieses beiläufig, jedoch nicht ohne Grund. — Wir zogen also durch den
Wald, den Förster Arend Tofote zu besuchen, und wir stießen zuerst auf den
Meister Autor.

Wir kamen über ihn an einem Bache, dem die Begünstigung, durch den Musterforst rieseln zu dürfen, noch nicht von der Oberforstbehörde genommen worden war, und wir faßten ihn eigentlich in einer für das Gefühl der Damen etwas fraglichen Situation ab. Seine Schuhe standen neben ihm, seine Füße standen im Wasser, braun und knochig; Füße, auf denen er länger als ein halbes Jahrhundert herumgelaufen war. Der Tag war heiß, und der Meister Kunemund nahm ein Fußbad.

»Hol' mich der Teufel!« sagte er, als wir plötzlich durch das Gebüsch rauschten und auf sein Behagen hereinbrachen. Er ist immer ein höflicher Mann gewesen, denn wer hätte es ihm verdenken können, wenn er gerufen hätte: »Hole euch alle insgesamt, — hole euch ohne jegliche Ausnahme der Teufel! —?«

Er war nicht allein, als wir ihn überraschten. Er hatte auch seine Gesellschaft bei sich: einen schiefbeinigen, sagenhaft aussehenden Dachshund und ein kleines zehnjähriges Mädchen. Der Dachshund saß neben ihm, dicht an seiner Seite. Das kleine Mädchen saß ihm gegenüber am andern Rande des Bachs, von Sonne und Blätterschatten umspielt. Es saß, den Rücken an einen Baum gelehnt, die Arme kindlich über der Brust ineinander gelegt, das Mäulchen gespitzt, wie zu einem Pfiff oder Kuß. Wenn man ihr den letztern gegeben haben würde, und sie hätte das Näschen gerümpft, so würde man vollkommen in seinem Recht gewesen sein, wenn man gerufen hätte:

»Jetzt nimmt sie es gar noch übel!« —