Ich hatte die Achseln gezuckt, und sie war entrauscht; aus der Mitte des
Ringes aber, der sich um jenen Herrn gebildet hatte, rief Herr Vollrad von
Wittum:

»Das ist in der Tat außerordentlich interessant!« —

Was war interessant? Mir alles, was dem Herrn Vollrad außerordentlich und außergewöhnlich erschien, und so sah ich denn ebenfalls, einer wohlbeleibten Dame über die Schulter blickend, meinerseits das an, was eben unter den Damen von Hand zu Hand ging, und unterdrückte mit Mühe einen hellen Ausruf des heftigsten Erstaunens:

»Der Stein der Abnahme!«

Bei allen Göttern und Göttinnen, Geistern und Geistinnen der Unterwelt und des Zwischenreiches, da war es wieder, dieses geheimnisvolle Amulet, das einst der Leichtmatrose Karl Schaake im Hause Mynheers van Kunemund in der Hand gehalten, mir gedeutet und auf meinen Rat und meine Verantwortung aus dem Fenster ins Wasser geworfen hatte! Da war es wieder, und mir war's, als gehe ein unheimlich fahler Schein von ihm aus; und sein jetziger Besitzer nannte es, wie Herr Vollrad von Wittum: ungemein interessant und seinen Fundort fast noch interessanter, und das war er auch, das letztere freilich mehr für den augenblicklichen Inhaber.

»Dieser Gegenstand, meine Herrschaften, ist kürzlich, das heißt vor einigen
Jahren beim Bau einer neuen Straße unserer Stadt in einem trockengelegten
Wassertümpel gefunden worden,« erzählte der glückliche Besitzer und
Sachverständige, »und mir in mehr als einer Beziehung ungemein wichtig.
Erstens wie kommt dieses seltene Artefakt gerade dorthin — an diesen
seinen jetzigen Fundort?«

Die Damen wußten es nicht, die Herren auch nicht, gaben sich jedoch die Mühe, nachdenklich auszusehen; was mich anbetraf, so hielt ich mich selbstverständlich ruhig und ließ die Gesellschaft raten.

»Es bezeugt unbedingt, wie so manches andere, den weitesten Weltverkehr unseres Gemeinwesens im Mittelalter,« sprach triumphierend bescheiden der archäologische Sachverständige. »Aus den Händen hanseatischer Schiffer ist es jedenfalls einmal in den Besitz und die Sammlung irgendeines kunstsinnigen Patriziers der Stadt übergegangen, und —«

»Dem einmal gestohlen, oder aus dem Fenster in den Teich gefallen,« meinte
Herr Vollrad von Wittum.

»Wahrscheinlich,« erwiderte der Besitzer etwas trocken, »lassen wir das doch dahingestellt sein; denn zweitens ist der Gegenstand auch schon an und für sich sehr merkwürdig. Die Hand, welche diesen Stein modellierte, stellte das Produkt unbedingt nicht als ein Objekt des Handels oder Tausches her, sondern —«