Nur auf den inneren Flächen der letzten Torflügel hatte der Meister das Glück und das Grauen der Weltentsagung gemalt: wie das Getier der Wüste dem heiligen Antonius diente, und wie das Höllengezücht ihn versuchte.

Erde und Hölle sprachen ihr Wort nach dem Himmel: die Erde lockte mit üppiger Landschaft; die Hölle schrie das grelle Getön ihrer scheußlichen Leiber; aber der Himmel stand hinter den Flügeln mit seinem ewigen Glück.

So war der Altar des fränkischen Meisters gebaut, darin der himmlische Zorn den Alltag verscheuchte: die Tiefe der brünstigen Seele brach auf und war kein schönes Abbild der irdischen Glückhaftigkeit mehr, weil das ewige Wunder nicht mehr den eitlen Traum der Täglichkeit weckte.


Das Buch der Freiheit

Meister Eckhart

Der aus Steinen den gotischen Wunderwald machte, ließ aus dem heiligen Hain der erschütterten Herzen eine neue Gläubigkeit blühen.

Wie das Geflecht der Gurten und Rippen, das Laubwerk der Knäufe und Sockel die lateinische Messe mit gotischer Inbrunst umfing, so wuchs in der nordischen Seele der Gral der christlichen Sendung.

Die Kirche hat ihn als Ketzer verdammt, den Meister Eckhart von Köln, der unter den Christen der naheste Jünger des Herrn, der Gotteskindschaft des Zimmermannssohns seligster Nachfolger war: