Sie webten den Wahn ihrer Macht in den gleißenden Tag und hießen sich Christen; sie kannten die Leiden des göttlichen Dulders und sahen den Teufel nicht in den Fratzen der kirchlichen Henker.
Die schwarze Kunst
Die Krämerwaage dem Bürger, der Karst dem geplagten Bauer, das Schwert dem Ritter, dem Priester das Wort und den Mönchen die Schrift: so war die Ordnung der Welt, und das Wort im Schrein der heiligen Schriften gab der Kirche die Schlüsselgewalt.
Bevor die Kirche dem Ketzer den Holzstoß ansteckte, verbrannte sie zuerst seine Schriften; denn blieben die Blätter vom Teufel mit Tinte beschrieben, so war der Ketzer nicht tot: das Unkraut blühte neu aus der schwarzen Saat, und der Samen wucherte weiter im kirchenfeindlichen Wind.
Es ging aber in Mainz ein Knabe den grübelnden Weg seiner Jugend, der dem geistlichen Vorrecht der Schrift die Schranken zerbrechen und dem ängstlich behüteten Wort den Käfig aufmachen sollte.
Johann Gensfleisch hieß er, vom Gutenberg, aus Mainzer Bürgergeschlecht, der als Jüngling nach Straßburg kam und dort seine heimliche Werkstatt aufmachte.
Er kannte den Holzschnitt, wie er dem Bild und der Schrift einen Prägestock machte, auf hundert Blättern zu drucken, was der Holzschneider einmal aus seiner Platte heraus schnitt.
Er sägte das Holz mit dem Wort auseinander und hieß die einzelnen Buchstaben Lettern; er setzte die Lettern im Wörter zusammen, wie er sie brauchte, und druckte die Schrift.
Aber die vielen Lettern zu schneiden, war mühsam, auch zerbrach ihm das winzige Holz in der Presse; so nahm er Metall, und weil der Metallschnitt mühsamer war, dachte er seine Lettern in Formen zu gießen.
Das aber war eine fremde Kunst, die er nicht kannte, so mußte Jürgen Dritzehn ihm helfen; und während das Basler Konzil die Kirchenreform an Haupt und Gliedern verlangte, raubte das heimliche Handwerk der Männer in Straßburg der Kirche die Schrift.