Als er mit jungen Jahren schon Pfarrer in Glarus war, zog er tapfer hinaus mit dem Haufen der Glarner; bei Marignano deckte sein Pfaffenkleid nicht weniger Mut als ein Harnisch.
Aber er sah den Reislauf mit Grimm und wie die Schweizer ihr Blut um schäbiges Gold auf den fremden Markt brachten; er rief den Stolz der reichen Geschlechter, und als sie nicht auf ihn hörten, ging er mit feuriger Rede ans niedere Volk.
Darüber kam er in Streit mit den Großen, er mußte die Pfarre in Glarus verlassen, als kleiner Vikar in Einsiedeln neu zu beginnen: aber da fand er das Schrittmaß, sein Leben größer zu schreiten.
In Einsiedeln las er die heiligen Schriften, wie sie Erasmus von Rotterdam ans Licht gebracht hatte; so zog seine Predigt das reine Gewand des Evangeliums an.
Als ihn die Züricher danach als Prediger holten – im dreiunddreißigsten Jahr seines hurtigen Lebens – war Ulrich Zwingli ein Jungmann im Priestergewand, wie Saul war, da Samuel den Hirten als König in Kanaan salbte.
Indessen Luthers gewaltiges Wort das deutsche Gewissen wachrief, indessen Hutten mit glühender Feder das Reich gegen Rom hetzte, ging Zwingli den aufrechten Gang des Schweizers zu praktischen Zielen:
Er wollte den Staat als Christengemeinschaft, aber die Schrift, nicht die Kirche sollte der Macht Rechtfertigung geben; wie in der Urväterzeit alemannischer Herkunft sollte die freie Gemeinde sich selber Gesetz und Geltung bedeuten.
So wurde der Sohn des Ammanns aus Toggenburg im Predigerrock Träger der Staatsgewalt.
So wurde in Zürich der rauschende Prunk der römischen Kirche vor die Türe gekehrt; so mußten die Klöster Schulen und die Chorherrn Lehrer sein; so wurde das Münster, von Messe und Weihrauch und Wallfahrt gereinigt, der Saal der Gemeinde, und der Priester war nur noch ihr Sprecher.
So sank die Hülle des Morgenlandes hin von der neuen Christengemeinde; die deutsche Seele blieb tapfer dabei, die christliche Erbschaft zu halten, aber sie wollte der Lehre die eigene Ordnung, Haltung und Würde geben.