Schwarz, rot und weiß war die Fahne, die Hans Müller von Bulgenbach trug, als er in Waldshut die blutige Kirchweih begann; bald wehte sie siegreich in Schwaben: die Herren mußten sich beugen, und wer sich nicht beugte, den jagten die Bauern durch ihre Spieße.

Da fiel die Furcht der Vergeltung in reiche Gemächer: Fürsten und Bischöfe schworen, die zwölf Artikel zu halten; als auch in Franken die schwarzrotweiße Fahne von den Kirchen und Rathäusern wehte, stand hinter dem Aufruhr ein neues Reich und wollte Wirklichkeit werden.

Ein neues Reich, auf den Willen des Volkes statt auf die Willkür der Fürsten und Herren gegründet: wohl sollten die Stände bestehen, aber nicht Vorrechte haben; die Geistlichen sollten die Hirten der Christengemeinde, nicht mehr die weltlichen Herren der Kirchenmacht sein.

So war der Plan, und die verschüttete Freiheit des Volkes hob ihre Fäuste, ihn zu erfüllen; aber die Schwarmgeister mischten die Brunst ihrer unreinen Machtgier hinein.

Thomas Münzer hieß der unselige Mann, der sein blutiges Wahnreich in Thüringen träumte, der mit dem Schwert Gideons kam, Fürsten und Pfaffen den Reigen der Rache zu tanzen.

In Mühlhausen hielt er gleich einem König der Juden Gericht über die Heiden; wo seine grausamen Haufen erschienen, rauchte das Blut der erschlagenen Leiber im Brand der Klöster und Burgen.

So sah Luther die Saat aufgehen im Unkraut; er wollte die christliche Freiheit allein im Gewissen, nun schrie sie Gewalt und war Aufruhr: zum andernmal schwoll ihm der Zorn, und wie er den Ablaß der Kirche mit groben Worten verdammte, verdammte er nun den Aufruhr der Bauern.

Totschlagen gleich tollen Hunden hieß er die Bauern; und wie seine mächtige Stimme erschallte, so hoben die Fürsten das Schwert: Philipp von Hessen und Truchseß von Waldburg kamen mit Harnisch und großem Geschütz gegen den Aufruhr gezogen.

Sie fanden die Haufen der Bauern uneins im Streit ihrer Führer; durch die erfahrene Feldkunst der Herren einzeln geschlagen, mußten sie überall weichen: so wurde das harte Wort aus Wittenberg wahr.

An ihren Dörfern wurde der Brand der Klöster und Burgen gerächt, an ihren Leibern das Blut der erschlagenen Ritter; hundert mußten ins Gras um einen, und ehe der Henkertod kam, hatte die Folter gequält.