Eine Wölfin, heißt es, habe die blonden Räuber der Frühe gesäugt, die den Völkern am Tiber die neue Schwertherrschaft brachten: eine hungrige Wölfin fraß Länder und Städte und wurde die Herrin der Mittelmeergärten.

Stärker als alle Mächte im Morgen- und Abendland war der stolze Römergedanke, über den Königsglanz, über despotische Willkür für immer Vernunft und Willen der freien Gemeinde als Ordnung des Staates zu stellen.

Sinnbild und Wächter der freien Gemeinde und Hüter des Staates war der Senat der würdigsten Männer; er gab dem Krieger das Schwert und dem Priester den Stab, dem Richter das Beil und dem Konsul die Toga.

Da galt die Stärke und Schönheit des Leibes nicht mehr allein, nicht mehr das heitere Spiel genießender Sinne und kühner Gedanken: über dem bunten Dienst seiner selbst stand das Gebot der Gesamtheit.

Gefährliche Tierheit war aller persönlicher Schein, Sinn war allein im Charakter: karg blieb er in Worten, schlicht im Gewand, streng und gemessen in seiner Haltung, groß allein war die Tat.

Zucht war die Tugend des römischen Bürgers, aber die Zucht war das Glück; denn die freie Erfüllung der Pflicht war mehr als Gehorsam, und das Glück der Römergesinnung war mehr als die Pflicht.

So war der Bürger von Rom und so war die Geltung, daß ihm die bunte Vielheit der Mittelmeervölker gehorchte: als Römer geboren, hieß Gebieter im Abend- und Morgenland sein.

Bis im römischen Weltbürgersaal Macht nur noch Macht war, bis der persische Adler das Feldzeichen der römischen Schwertherrschaft wurde, bis Cäsar der freien Gemeinde das Rückgrat zerbrach, bis Augustus den Prunkmantel der römischen Kaisermacht trug.

Das Land der neblichten Wälder