Der König von Preußen hatte die Gunst der Stunde kaltblütig genützt, aber nun war sein Schicksal verstrickt; was er gegriffen hatte, mußte er halten, das preußische Dasein hing an dem Raub.
Maria Theresia wehrte sich tapfer all ihrer sonstigen Feinde, und Friedrich wußte, wie sie um Schlesien weinte: der Frieden von Breslau war für die Hofburg nur erst ein Stillstand, bevor der zweite Waffengang kam.
Im zweiten Gang schlugen die Waffen schon schärfer; als Friedrich in Böhmen einrückte, ließen Franzosen und Bayern, auf die er gehofft hatte, ihn kläglich im Stich; der eben noch Jäger war, hörte nun selber die Hunde bellen.
Schon bliesen die Habsburger Halali, weil sie den König in Böhmen eingekreist hatten; er aber wußte die harte Bedrängnis in Sieg zu verkehren, indem er die feindlichen Heere nach Schlesien lockte, wo er die ruhmreiche Schlacht bei Hohenfriedberg mit einem tollkühnen Nachtmarsch gewann.
Es war sein erstes Soldatenstück, weil er mit seinem gerüttelten Heer mitten in starker Übermacht stand: aber schon hatte der König im Unglück gelernt, das Glück zu versuchen: nun sah er, daß es dem Mutigen beistand.
Noch aber konnte er seinen Gewinn nicht lässig heimtragen, bei Soor in den böhmischen Bergen stand sein Glück auf der Schneide; erst als der alte Dessauer dem König bei Kesselsdorf Luft machte, gab Habsburg den zweiten Gang auch verloren.
Der Frieden von Dresden beschwor den Frieden von Breslau; Maria Theresia mußte zum andernmal Schlesien lassen, zum andernmal ritt der König von Preußen als Sieger nach Haus.
Aber es war ein härteres Spiel und ein kühnerer Einsatz gewesen, keine Gunst der Stunde hatte ihm leichten Gewinn und Lorbeer gelassen: er hatte auf Tod und Leben gerungen und hatte das Schicksal erkannt, wie es nur seinem Meister Kühnes zu tun gestattet.
Der Spötter von Sanssouci
Es war im fünften Jahr seiner Regierung, als Friedrich der König in seine Hauptstadt zurück kam; er hatte den preußischen Staat vermehrt um eine reiche Provinz, er hatte den Ruhm des Sieges gekostet, aber er war noch immer der Gutsherr von Rheinsberg.